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40: Neurodiversität – jedes gehirn ist anders

    Neurodiversität, ein Begriff, der in den letzten Jahren dank der Arbeit zahlreicher Forscher:innen und der Sensibilisierungsarbeit von Direktbetroffenen und weiteren Akteuren stärker in das öffentliche Bewusstsein gerückt wurde, bezeichnet die Vielfalt neurokognitiver Funktionen innerhalb der menschlichen Spezies. In diesem Beitrag biete ich eine erste Annäherung an das Thema “Neurodiversität in der Bildungsarbeit” und lasse zwei Fachleute zu Wort kommen. 

    Symbolbild, generiert mit DALL-E am 24.01.24, Prompt: A close-up view of a unique and natural-looking snowflake in a forest setting.

    Das Gehirn als Schneeflocke betrachten

    Das Konzept der Neurodiversität betrachtet Gehirne wie Schneeflocken – aus der Ferne ähnlich, bei näherer Betrachtung jedoch einzigartig. Didaktisch reduziert kann man sagen: Neurodiversität umfasst Unterschiede in Lernen, Denken, Motorik, Struktur, Interaktion, Sprache und Wahrnehmung.

    Wenn wir Neurodiversität in Schule, Erwachsenenbildung und Hochschule diskutieren, geht es also nicht nur darum, Lernenden und Studierenden mit unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht zu werden, sondern auch darum, eine vielfältigere und inklusivere Lerngemeinschaft zu schaffen, von der alle am Lernprozess Beteiligten profitieren.

    Es ist auch ein Trugschluss zu glauben, dass es in erster Linie darum geht, den Zugang zu speziellen und unterstützenden Lernmaterialien zu erleichtern. Viel wichtiger und bedeutsamer sind die sozialen und zwischenmenschlichen Aspekte des Zusammenlebens in der konkreten Lernsituation.

    Damit meine ich: eine Erweiterung des Bewusstseins und die Förderung von mehr Verständnis für Neurodiversität bei Lehrenden, Mitarbeitenden, Lernenden und Studierenden. Durch die Gestaltung eines inklusiven und einladenden Lernumfelds können Schulen und Hochschulen neurodiversen Lernenden und Studierenden helfen, sich in ihrem Lernprozess wertgeschätzt und unterstützt zu fühlen.

    Cover Podcastgespräch mit Simone Tuena-Küpfer, ausgestrahlt bei Education Minds – Didaktische Reduktion und Erwachsenenbildung am 25.01.24

    Inklusion als Grundstein für die Akzeptanz von Neurodiversität

    Inklusion in der Erwachsenenbildung bedeutet, die einzigartigen Lernbedürfnisse und Perspektiven sogenannt neurotypischer und neurodivergenter Menschen anzuerkennen und zu unterstützen. Der Psychologe André Frank Zimpel erläutert dies in dem unten als Podcast verlinkten Vortrag:

    “Wir können mit wissenschaftlicher Sicherheit sagen, es gibt keine zwei Personen, deren Gehirn sich gleicht. Und das ist die Grundlage für Neurodiversität.” 

    Er weist darauf hin, dass unsere Gesellschaft oft von einem neurotypischen Standard ausgeht, was zu Überforderung und Missverständnissen bei Menschen mit neurodivergenten Eigenschaften führen kann. Die Herausforderung besteht darin, ein Bildungssystem zu schaffen, das flexibel genug ist, um unterschiedliche Lernwege und Persönlichkeiten zu berücksichtigen. Wenn wir Menschen als grundsätzlich “neurodivers” einschätzen, lässt uns dies einfacher verstehen, warum jede Person äußere und inneren Reize potentiell anders bewertet und verarbeitet. 

    Aus der Psychologie und Traumaforschung ist bekannt, dass durch frühkindliche Prägungen und ggf. auch Traumatisierungen Menschen Stimuli aus der Umwelt und der Innenwelt individuell unterschiedlich wahrnehmen. Woltemade Hartmann (klinischer Psychologe und Psychotherapeut) spricht von „neuronalen Repräsentationen von gemachten Erfahrungen“, die unbewusst die Wahrnehmung der Welt beeinflussen. 

    Deshalb reagieren manche Menschen mit Stressreaktionen auf Umgebungen, Situationen und Menschen, die für andere keine Bedrohung darstellen.  Fachleute sagen darum: Jeder Mensch hat ein individuelles Stresstoleranzfenster und verarbeitet eingehende Reize unterschiedlich. 

    Symbolbild, generiert mit DALL-E am 24.01.24, Prompt: Generate a warm foto-realistic, at the same time artistic image of a female student with African facial features. She has a beaming smile on her face and can be seen in a well-equipped university library, sitting at a modern desk and intently studying her documents.

    Fallbeispiel Nadesh (Studentin BWL, Abendstudium)

    Ein konkretes Beispiel für Neurodiversität bei Lernenden in der Erwachsenenbildung könnte die Geschichte von Nadesh sein. Nadesh ist eine 30-jährige Studentin, die sich für ein Abendstudium in Betriebswirtschaft eingeschrieben hat. Sie hat das Asperger-Syndrom, eine Form des Autismus-Spektrums, die ihre Art zu lernen und zu interagieren einzigartig macht.

    Nadeshs Herausforderungen und Stärken:

    • Soziale Interaktion: Nadesh findet es schwierig, in Gruppen zu arbeiten oder an Netzwerkveranstaltungen teilzunehmen. Sie bevorzugt klare, direkte Kommunikation und kann soziale Hinweise oder nicht wörtlich gemeinte Sprache oft nicht intuitiv erfassen.
    • Fokussierung und Detailorientierung: Nadesh hat eine ausgeprägte Fähigkeit, sich auf komplexe Probleme zu konzentrieren und Details zu analysieren. Sie ist besonders stark in Kursen, die logisches Denken und Datenanalyse erfordern.
    • Routinebedürfnis und Struktur: Sie bevorzugt vorhersehbare Abläufe und klare Strukturen. Unvorhergesehene Änderungen im Kursablauf oder bei Prüfungen können sie stark verunsichern.
    • Sensorische Empfindlichkeiten: Nadesh ist empfindlich gegenüber starken Geräuschen und grellem Licht, was in einer belebten Campusumgebung herausfordernd sein kann.

    Anpassungen in der Lernumgebung:

    Die Hochschule hat mehrere Anpassungen vorgenommen, um Nadesh und anderen neurodiversen Studierenden zu helfen:

    • Klare Kommunikation und Anweisungen: Lehrende sind angehalten, klare, strukturierte und wörtliche Kommunikationsformen zu nutzen.
    • Flexible Gruppenarbeit: Nadesh hat die Möglichkeit, Gruppenarbeiten entweder alleine oder in kleineren, ruhigeren Gruppen durchzuführen.
    • Angepasste Prüfungsbedingungen: Bei Prüfungen erhält Nadesh Zusatzzeit und kann diese in einem ruhigeren Raum ablegen, um sensorische Überlastungen zu vermeiden.
    • Bereitstellung von Alternativmaterialien: Kursmaterialien werden auch in digitalen Formaten bereitgestellt, um unterschiedlichen Lernstilen gerecht zu werden.

    Positive Auswirkungen:

    Durch diese Anpassungen kann Nadesh ihre Stärken voll ausspielen. Ihre Detailgenauigkeit und analytischen Fähigkeiten bereichern Klassendiskussionen und Gruppenprojekte. Gleichzeitig lernt die Hochschulgemeinschaft, Vielfalt zu schätzen und inklusive Praktiken zu integrieren, die allen Studierenden zugutekommen.

    Quelle: CAST, 2018

    Zugänglichkeit und Anpassungsfähigkeit

    Dieses Beispiel zeigt, wie durch das Verständnis und die Anpassung an neurodiverse Bedürfnisse ein inklusives Lernumfeld geschaffen werden kann, das nicht nur neurodiversen Lernenden wie Nadesh hilft, sondern auch die gesamte Lerngemeinschaft bereichert.

    Neurodiverse Lernende profitieren von zugänglichen Lernmaterialien und adaptiven Lehrmethoden. Dies beinhaltet alternative Formate wie Audioaufnahmen oder Text-to-Speech-Optionen für Menschen mit Leseschwierigkeiten. 

    Idealerweise nehmen Bildungsanbieterinnen künftig mutig Abstand vom Konzept “one size fits all” offerieren allen am Lernprozess Beteiligten die oben skizzierten indiviuellen Erleichterungen. Ohne dass diese Personen vorgängig eine Krankheit oder Einschränkung medizinisch belegen müssen. 

    In diese Richtung gehen die sogenannten “Universelle Designprinzipien für das Lernen (UDL)”. Sie bieten vielfältige Lehr- und flexible Bewertungsmethoden und ermöglichen Selbstregulierung und Engagement. Diese Anpassungen fördern nicht nur das Lernen neurodiverser Individuen, sondern verbessern auch die allgemeine Lernumgebung.

    Deutsche Version: Martin Lüneburger, basierend auf einer Übersetzung von Schlüter, Melle und Weber in: Sonderpädagogische Förderung heute 61 (2016), S. 275

    Die UDL-​Prinzipien im Detail

    • Verschiedene Möglichkeiten anbieten, sich zu beteiligen
      (multiple means of Engagement)
    • Lerninhalte auf verschiedene Arten (multimodal) anbieten
      (multiple means of Representation)
    • Verschiedene Möglichkeiten anbieten, das Gelernte anzuwenden
      (multiple means of Action and Expression) 

    Quelle: CAST (2018). Universal Design for Learning Guidelines version 2.2. 

    Kurzinterview mit Rebekka Emersleben

    Yvo: Rebekka, du bist Dozentin, Studienrätin, Allgemeinpädagogin (StaEx) und Neurosystemische Coachin. Wie würdest du den in letzter Zeit häufig verwendeten Begriff “Stresstoleranzfenster des Menschen” beschreiben?

    Rebekka:  Das Stresstoleranzfenster nach Daniel Siegel (Window of tolerance) ist eine Metapher, die hilft, die unterschiedlichen Niveaus nervöser Erregung eines Menschen darzustellen. Es beschreibt, stark vereinfacht, das Nervensystem und seine Stressreaktionen. Innerhalb des Stresstoleranzfensters ist der autonome Zustand des Nervensystems auf einem optimalen Erregungsniveau – d.h. der Organismus fühlt sich ausreichend sicher und muss keine Energie aufwenden, um sich für Kampf- oder Fluchtreaktionen bereit zu machen. In diesem Zustand fühlen wir uns präsent im Hier und Jetzt und mit unseren Mitmenschen verbunden, unsere Energie kann optimal in kognitive Prozesse fließen oder wir können uns tief regenerieren. Außerhalb des Stresstoleranzfensters, also in der Über- oder Untererregung, ist dies nicht möglich. Interessant ist, dass die individuell empfundene Sicherheit, die in der Kindheit maßgeblich geprägt wird, die Größe des Stresstoleranzfensters bestimmt, also wie wir mit Stress umgehen und was wir überhaupt als Stressoren wahrnehmen. 

    Yvo:  Du sprichst von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die gerade individuell empfunden ein belastetes Nervensysten aufweisen. Warum können solche dysregulierten Nervensysteme nicht nachhaltig lernen?

    Rebekka:  Ja, viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene sind aufgrund der vorherrschenden Bedingungen in vielen Bildungseinrichtungen multiplen und andauernden Stressreizen ausgesetzt, die ihr Nervensystem aus der Balance bringen. Mit einem dysregulierten Nervensystem können wir aber nicht nachhaltig und ganzheitlich lernen, eingehende Informationen können nur noch vermindert oder desorganisiert kognitiv verarbeitet werden. In einem Zustand der Übererregung verliert der Neocortex, der für rationales und komplexes Denken zuständig ist, die Kontrolle und ältere Gehirnareale (Limbisches System und Stammhirn) übernehmen die Führung – das passiert unwillkürlich. Das autonome Nervensystem des Individuums findet nicht genügend Anzeichen für Sicherheit im Außen oder Inneren (Extero – und Interozeption), sodass Stressreaktionen ausgelöst werden.

    Yvo:  Werden wir konkreter: Wie äußert es sich bei einem solchen Kind, Jugendlichen oder Erwachsenen, wenn die individuell empfundene Sicherheit fehlt?

    Rebekka:  Wenn individuell empfundenen Sicherheit fehlt, übernimmt der Sympathikus (als Teil des autonomen Nervensystems) die Leitung, wir werden weniger empathisch, kreativ, neugierig, interessiert und flexibel, sondern eher kühl, engstirnig, ignorant und rigide. Steigt das Erregungsniveau weiter, mobilisiert das sympathische Nervensystem mehr Energie, die uns in Handlungsbereitschaft versetzt. Wir werden hypervigilant und angespannt. Häufig zeigt sich die Übererregung in Gereiztheit, Aggression, Schreckhaftigkeit, Angst- oder Panikattacken, einer erhöhten Schweißsekretion und Pulsschlag sowie verminderter Speichelsekretion. Aber auch eine Vermeidungs- und Abwehrhaltung ist typisch. 

    Menschen, die hingegen (chronisch) untererregt sind oder die Umgebung als lebensbedrohlich wahrnehmen, „fallen“ aus ihrem Stresstoleranzfenster in die Untererregung. Das ganze Körpersystem wird in einen Modus der Immobilität versetzt. Jetzt ist das Erregungsniveau so niedrig, dass Menschen sich selbst, ihre Mitmenschen und Umwelt nur noch gedämpft bis gar nicht mehr wahrnehmen. Die emotionale Beteiligung und das Schmerzempfinden sind stark gedrosselt. In diesem Zustand wirken wir teilnahmslos, gleichgültig, antriebslos, verträumt, lethargisch und der Blick wird leer. Wir fühlen uns emotionslos, taub, erschöpft, deplatziert und unverbunden. 

    Yvo:  Du bist ja auch viel in der Beratung in Schulen und Institutionen tätig. Was gehört zu einer Lernumgebung, die Sicherheit vermittelt? Kann auch die Lehrperson etwas dazu beitragen, dass die Nervensysteme im Gleichgewicht bleiben?

    Rebekka:  Die Lernumgebung inkl. Lehrperson kann entscheidend dazu beitragen, ob und inwiefern das autonome Nervensystem eingehende Reize als sicher oder bedrohlich interpretiert und der Mensch in der Folge reguliert oder dysreguliert ist. Das ist zentral, denn regulierte Nervensysteme sind die Basis für u.a. nachhaltigen Lernerfolg, Potenzialentfaltung, Kreativität, Neugierde und Empathie. Ich berate, begleite und coache Personal von Bildungseinrichtungen zu den maßgeblichen Prinzipien eines sicheren Lern- und Bildungsmilieus.

    Übergeordnet können folgende Punkte genannt werden: 1.) Umgebung & Ausstattung 2.) Haltung & soziales Miteinander 3.) Unterricht & Lehrmaterialien 4.) Selbst- & Co-Regulation.

    Die genannten Punkte sollten gemeinschaftlich und systematisch innerhalb einer Bildungseinrichtung umgesetzt und trainiert werden, um den gewünschten Effekt und eine nachhaltige Veränderung zu erzielen. Auch wenn alle Beteiligte einer Einrichtung wichtig und mitverantwortlich bei der Umsetzung sind, kommt der einzelnen Lehrperson im Kontakt mit den Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine besondere Bedeutung zu. Denn das nervliche Erregungsniveau einer Lehrperson spielt eine elementare und oft noch übersehene Rolle für die empfundene Sicherheit ihrer Schützlinge. 

    Yvo: Wir beobachten das hier in der Schweiz, aber auch in Deutschland und anderen Ländern: Viele Lehrpersonen klagen über Erschöpfung und Stress. Welchen Einfluss hat der Zustand des Nervensystems der Lehrperson, von dem du sprichst, auf die Lernenden?

    Rebekka: Ja, das ist leider traurige Realität. Vielen Bildungseinrichtungen fehlt bislang noch das nötige Wissen und die Kompetenz sichere Lernmilieus zu kreieren und damit versäumen sie, die  Voraussetzungen für alle Bildungsbeteiligte zu schaffen, langfristig in Balance und damit auch (psychisch) gesund zu bleiben. Denn so wie Lernende leiden auch Lehrpersonen unter Milieus, die nicht ausreichend Sicherheit spenden. Lehrpersonen geraten deshalb nicht selten in einen Zustand der chronischen Übererregung: sie sind evtl. gereizt, unsensibel, beschämend, laut, unempathisch und ungeduldig. Diese Verhaltensweisen sind häufig Ausdruck ihres neuronalen Erregungsniveaus. Vielen Menschen fehlt das Wissen und die Übung, den Zustand des eigenen Nervensystems zu erkennen und die Fähigkeit, regulierend darauf einzuwirken. Das ist doppelt tragisch, denn die Lehrperson gerät zunehmend unter Stress, bis das Erregungsniveau so hoch und damit für den Organismus zu kostspielig ist, sodass er sich schützt und in die Untererregung abrutscht – hier droht Burnout und Erschöpfungsdepression.

    Yvo: Du hast jetzt besonders über die Situation der Lehrpersonen gesprochen. Ich stelle mir vor, dass es auch für die Kinder und Jugendlichen eine Herausforderung ist, mit einer „chronisch übererregten Lehrkraft“ konfrontiert zu sein. Wie sieht die Perspektive für Lernende aus?

    Für Lernende ist eine dysregulierte Lehrperson ein Bedrohungsfaktor, da es ihr in diesem Zustand nicht gelingen kann, eine zugewandte und wertschätzende Verbindung aufzubauen. Selbst wenn sie äußerlich ruhig bleibt, nehmen die autonomen Nervensysteme der SchülerInnen permanent und unbewusst Signale aus der Umwelt wahr und bewerten sie unwillkürlich auf ihre potenzielle Gefahr hin. Selbst kleine Veränderungen in der Tonlage, Mimik, Gestik und Körperhaltung werden registriert und haben einen großen Einfluss auf die empfundene Sicherheit. In der Konsequenz steigt dann auch das Erregungsniveau der SchülerInnen und sie zeigen ggf. Signale ihrer eigenen Übererregung, die in Wechselwirkung mit den anderen im Raum befindlichen Nervensystem tritt. 

    Yvo: Danke für dieses aufschlussreiche Gespräch Rebekka!

    Soziale und zwischenmenschliche Aspekte

    Neurodiversität betrifft nicht nur den Zugang zu Lehrmitteln, sondern auch die sozialen und zwischenmenschlichen Aspekte des Lebens. Ein inklusives Bildungsumfeld erfordert ein erhöhtes Bewusstsein und Verständnis für Neurodiversität bei Lehrkräften, Mitarbeitern und Studierenden. 

    Auch aus Sicht der Nervensystemregulation – hier kommen die Polyvagaltheorie und Erkenntnisse zur Psychotraumatologie ins Spiel- brauchen Menschen Lernmilieus, die individuell wahrgenommene Sicherheit vermitteln, damit ihre Nervensysteme Lernen überhaupt möglich machen. Denn unter Angst ist die kognitive Lernleistung in der Regel eingeschränkt, da andere Gehirnnareale verstärkt aktiviert sind und praktisch alle Energie absorbieren. 

    Durch die Schaffung einer inklusiven und einladenden Lerngemeinschaft können Bildungsorganisationen sicherstellen, dass sich auch neurodiverse Lernende und Studierende wertgeschätzt und unterstützt fühlen.

    Fazit

    Die Anerkennung und Einbeziehung der Neurodiversität in die Bildung ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu einer inklusiven Gesellschaft. Es geht darum, die Vielfalt menschlicher Gehirne wertzuschätzen und Lernumgebungen zu schaffen, die die einzigartigen Stärken und Bedürfnisse jedes Einzelnen berücksichtigen. Dies führt nicht nur zu größerem Lernerfolg für neurodiverse Lernende, sondern bereichert auch die Lerngemeinschaft als Ganzes. Indem wir die Prinzipien der Neurodiversität in die Bildung integrieren, öffnen wir die Tür zu einer inklusiveren und einfühlsameren Welt.

    Ressourcen: 

    Podcastgespräch mit Simone Tuena-Küpfer zum Thema „Neurodiversität in der Bildung“ bei Education Minds – Didaktische Reduktion und Erwachsenenbildung.

    Webseite von Simone Tuena-Küpfer: https://simone-tuena-kuepfer.net

    Podcastbeitrag beim Deutschlandfunk Nova mit einem aktuellen Vortrag des Psychologen André Frank Zimpel. Er ist Erziehungswissenschaftler und Leiter des Zentrum für Neurodiversitätsforschung in Hamburg Eppendorf. Mit seinem Team erforscht er, wie unterschiedlich Menschen denken, lernen, wahrnehmen oder Probleme lösen.

    Webseite von Rebekka Emersleben, Dozentin, Allgemeinpädagogin (StaEx) und Neurosystemische Coachin https://bindungstierchen.de

    Podcastgespräch von Daniela Loebnitz in der Reihe “Eins mit Sternchen – Zukunftsstark” mit Alison Bailey über Neurodiversität vom 24.01.24:

    CAST.org – About UDL (EN): externe SeiteAbout Universal Design for Learningcall_made

    CAST UDL Guidelines (EN): externe Seitehttps://udlguidelines.cast.org/call_made

    Grundsätze des UDL erklärt auf der Webseite der Stiftung Schweizer Zentrum für Heil- und Sonderpädagogig, aufgerufen am 02.01.24.

    Informationsplattform Autismus.ch: externe Seitehttps://www.autismus.ch/informationsplattform/autismus.htmlcall_made

    Universität Fribourg: externe SeiteAutism & unicall_made (Deutsche Seite in Erarbeitung)

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