Ein satirischer Blick auf die politische Weltlage – und warum Humor eine essentielle Ressource für die Erwachsenenbildung sein kann. In diesem Beitrag blicke ich kurz auf die Wahlen in den USA und die Veröffentlichung der Kabinettsliste durch die Regierung Trump. Anschliessend erläutere ich, welche Rolle Humor als „didaktisches Werkzeug“ in der Erwachsenenbildung spielen könnte.

Der Ernst der Lage – und warum wir darüber lachen sollten
Die Welt hat sich in eine Bühne des Absurden verwandelt, auf der die Realität oft wie eine Groteske wirkt. Politische Entwicklungen, die man früher für unmöglich gehalten hätte, sind plötzlich an der Tagesordnung. Die jüngsten Nachrichten aus den USA, bei denen Trump seine Ministerriege mit fragwürdigen Figuren besetzt, sind ein Paradebeispiel dafür. Für uns Bildungsfachleute stellt sich dabei die Frage: Wie begegnet wir dieser neuen, oftmals verstörenden Realität im Kontext von Bildung und vor allem Erwachsenenbildung?
In solchen Zeiten scheint eine der wirksamsten Methoden, nicht zu verzweifeln, der Humor zu sein. Er erlaubt uns, auf komplexe und bedrohliche Situationen mit einem Lächeln zu reagieren, ohne die Ernsthaftigkeit der Lage aus den Augen zu verlieren. Darum will ich hier zunächst einen satirischen Blick auf die neuesten Entwicklungen werfen, bevor ich mich der Frage widme, wie wir als Bildungsfachleute darauf reagieren können.

Die Trump-Regierung: Eine Comedy-Show, die sich selbst schreibt
Donald Trump ist mit seiner spektakulären Flucht ins Weisse Haus der erfolgreichste Verbrecher der amerikanischen Kriminalgeschichte. Sonderermittler Jack Smith, der Mann, der Trump an den Kragen wollte, soll am Freitag nach der Wahl entschieden haben: „Das war’s für mich.“ Medienberichten zufolge war seine Kündigung eine Mischung aus Verzweiflung und Einsicht, dass es einfacher wäre, einem Nashorn Ballettanzen beizubringen, als einen amtierenden Präsidenten anzuklagen. Schliesslich geht es hier um eine der ältesten Demokratien, wo die Regeln eindeutig sind: Ein Präsident kann machen, was er will – solange er (wieder) Präsident ist.
Breaking News: Die neue Regierung Trump steht! Sein Kabinett liest sich wie das Drehbuch für eine besonders absurde Folge von The Office – nur eben mit weniger Humor und mehr Atomwaffen.
Also, was haben wir da?
- Pete Hegseth als Verteidigungsminister. Ein Mann, der nicht nur hart durchgreifen, sondern auch genauso mutig Haare gelieren kann. Da kann man sicher sein, dass nicht nur der Feind, sondern auch jedes Haar in Reih und Glied steht. Wer sonst könnte das Verteidigungsministerium besser führen als jemand, der den größten Krieg seines Lebens gegen „woke ideology“ bei Fox News geführt hat und dort die Sonntagsshow moderierte.

- Matt Gaetz übernimmt das Justizministerium. Denn wer könnte die amerikanische Justiz besser reformieren als jemand, der die Grenzen der Legalität so gut kennt wie Matt? Sein Motto: „Wer das Gesetz bricht, sollte es wenigstens geniessen.“ Besonders in einer Epoche, in der Justitia die Augenbinde ablegt, um sich die Augen vor so viel Scham und Skrupellosigkeit zu verdecken.
- Für das Gesundheitsministerium holt sich Trump niemand Geringeren als Robert F. Kennedy Jr. Das Ziel? Die Gesundheitsreform 2.0: Impfstoffe abschaffen und stattdessen Globuli auf Rezept. Schliesslich, so die neue Linie des Ministeriums: „Was dich nicht impft, macht dich stärker.“
- Tulsi Gabbard wird Direktorin der Nationalen Nachrichtendienste. Ja, die Frau, die Putin mehr Komplimente gemacht hat als sein Friseur. Interessant wird es, wenn sie als Erstes die schwer belastete CIA reformiert, indem sie russische Bären als inoffizielle Mitarbeiter rekrutiert – „immer gut getarnt und zu jeder Zeit einsatzbereit“.
- Und nun zum Sahnehäubchen: Elon Musk als Leiter des neuen „Department of Government Efficiency“. Warum? Weil nichts Effizienz besser demonstriert als das Chaos bei Twitter, pardon, „X“. Musks erster Vorschlag: „Die Regierung soll ab jetzt alle Entscheidungen per Umfrage auf der Plattform treffen. Mit Twitter-Bots als Wähler.“ Vielleicht wird er auch gleich die Präsidentschaftswahlen 2028 dort austragen – Hashtag #TrumpForever.
Didaktisch reduziert klingt das so: Eine Regierung, die sich anhört, als hätte jemand die Kommentarspalte auf YouTube zu einem Weihnachtsessen eingeladen und sie gebeten, die Welt zu regieren.
Aber hey, immerhin ist „suspense“ garantiert. Der neue amerikanische Traum: „Wenn du nur hart genug an dich glaubst (und Trump dir ein Dinner in Mar-a-Lago spendiert), kannst du es bis ganz nach oben schaffen – selbst wenn du denkst, dass ein Gesetzbuch so eine Art Sammlung für Kochrezepte ist. Am Ende kommt’s eh nur darauf an, wie gut du die Eier aufschlagen kannst!“

Humor als didaktisches Werkzeug in der Erwachsenenbildung
So sehr uns diese Entwicklungen gerade den Atem verschlagen mögen, so hilfreich ist es, sich einen humorvollen Blick zu bewahren – vor allem in der Bildungsarbeit. Humor baut Brücken zwischen Komplexität und Verständlichkeit. Er entspannt, motiviert und fördert kritisches Denken – ein kraftvolles didaktisches Werkzeug in vielen Lernsituationen.
Warum Humor in der Erwachsenenbildung eine zentrale Rolle spielen kann:
- Komplexitätsreduktion: Satire und Humor helfen, komplexe Themen auf das Wesentliche zu reduzieren. Dies entspricht dem Prinzip der didaktischen Reduktion: Anstatt sich in Details zu verlieren, fokussieren wir uns auf die Kernaussagen und machen sie verständlicher.
- Förderung kritischen Denkens: Humor hinterfragt bestehende Strukturen und Denkweisen. Indem wir unsere Teilnehmenden zum Lachen bringen, laden wir sie auch dazu ein, die Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten und kritisch zu hinterfragen.
- Motivationssteigerung: Lachen verbindet. Ein humorvolles Lernumfeld fördert die Motivation und schafft eine Atmosphäre, in der sich Erwachsene wohler fühlen und offener für neue Inhalte sind.
- Verarbeitung emotionaler Belastungen: Gerade in Zeiten politischer Unsicherheit und gesellschaftlicher Spannungen ist Humor eine wichtige Ressource, um emotionale Belastungen zu verarbeiten. Humor wirkt dabei wie ein Anker, der uns stabil hält. Denn zusammen Lachen ist ein stilles Versprechen: Wir stehen das gemeinsam durch.
Fazit: Humor als Ressource in schwierigen Zeiten
In Zeiten, in denen politische Entwicklungen uns verunsichern und manchmal sogar beängstigen, brauchen wir Strategien, um unsere innere Balance zu bewahren. Humor ist dabei eine wertvolle Ressource. Für uns als Bildungsfachleute bedeutet das: Wir dürfen – ja, wir sollten – Humor gezielt einsetzen, wenn es darum geht, Lernerfahrungen zu gestalten, die berühren und in Erinnerung bleiben sollen.
In der Erwachsenenbildung geht immer weniger um Wissensvermittlung, sondern Co-Creation im Lernprozess und darum, Menschen in ihrer Selbstwirksamkeit zu stärken. Humor kann dabei eine Brücke schlagen zwischen dem Wissen und der Lebenswirklichkeit der Teilnehmenden. Indem wir einen Moment bewusst auf Distanz zum „grossen Welttheater“ gehen und gemeinsam lachen, schaffen wir nicht nur ein besseres Lernklima, sondern auch die Grundlage für ein kritisches, selbstermächtigendes Denken.
Die Fähigkeit, über das Absurde zu lachen und dabei Dinge kritisch zu hinterfragen, stärkt unser Engagement für eine solidarische, inklusive und nachhaltig lernende Gesellschaft.
Ressourcen
Fachbuch „Mini-Handbuch Didaktische Reduktion“ (Yvo Wüest, Beltz 2022)
Blogbeitrag Yvo Wüest „Reduktion mit Spitzer Feder – Humor und Didaktische Reduktion“ bei Education Minds GmbH
Das Magazin Politico schreibt am 13.11.24 über das Ethikverfahren gegen Matt Gaetz und warum sein Rücktritt im Senat damit in einem Zusammenhang stehen könnte.
Jack Detsch schreibt im gleichen Magazin Politico am 13.11.24 über Pete Hegseth und dessen unbekannte Führungserfahrung.
Die New York Times erwähnt am 19.11.24 Pete Hegseths eigenes Statement, er hätte die letzten 10 Jahre seine Hände nicht gewaschen: https://www.nytimes.com/2024/11/13/us/politics/jack-smith-special-counsel.html
Der Guardian zitiert den neuen neuen Verteidigungsminister bezüglich seiner Aussagen zu Keimen, die nicht existieren, da sie für ihn nicht sichtar seien: https://www.theguardian.com/media/2019/feb/11/germs-are-not-real-fox-news-host-pete-hegseth
Julia Davis am 31.03.22 auf X über Tulsi Gabbard: https://x.com/JuliaDavisNews/status/1509330152735584262
Das Satiremagazin „Der Postillon“ schreibt am 14.11.24 über die Trumps irre Auswahl an Kandidat:innen für sein neues Kabinett:
Trump ernennt Hannibal Lector zum Ernährungsminister
Trump macht Bock zum Gartenbauminister
Trump ernennt P. Diddy zum Frauenbeauftragten
Dazu berichtet das Magazin „Der Postillon“ am 15.11.24 über einen Mann aus Deutschland, der viele Jahre vor der politischen Einflussnahme von Soros und Gates warnte, sich nun aber über die Ernennung von Elon Musk als neuer „Rasputin“ von Trump freut.
Dr. Rebekka Reinhard spricht in der aktuellen Ausgabe des „Human-Magazins“ mit US-amerikanischen Technologie-Historikerin Margaret O’Mara über die Perspektiven für eine kluge KI Strategie in den USA mit Blick auf die Debatte in Europa: “While American companies are racing to become the platforms on which future technologies are built, I think European values—trust, responsibility, and the common good—are still crucial. They should hold sway in how Europe approaches AI”.
Vielen Dank für diesen inspirierenden Beitrag Yvo!
Dein heiterer Beitrag macht Freude und zeigt auf, wie Humor als pädagogisches Werkzeug in der Erwachsenenbildung gewürdigt wird – gerade in Zeiten wie diesen, in denen wir manchmal nur noch den Kopf schütteln können. Der Gedanke, dass Humor nicht nur Komplexität reduziert, sondern auch die Lernatmosphäre belebt und unsere Resilienz stärkt, finde ich zutreffend und wertvoll. Ein großer Dank für deine Beiträge hier und die motivierende Botschaft. Weiter so!
Sarah Bernasconi
Lieber Yvo,
danke für deinen ermutigenden Blogartikel – das tut in düsteren Zeiten gut!
Mir geht es ganz ähnlich und Humor hilft mir in meiner Bildungsarbeit, einerseits Abstand „zur Welt“ zu bekommen und gleichzeitig auch mit ihr in Verbindung zu kommen.
Liebe Grüße aus Tirol!
Joanna
Ja, genau Joanna. Das ist wichtig: immer wieder, im Idealfall mehrmals täglich, mit sich selber gut in Kontakt gehen.
Durch Meditation, einen Powernap, Spaziergang, Aufenthalt im Freien … oder eben eine gute Portion Humor. Um dann wieder mit frischer Energie mit „der Welt“ bzw. den Menschen, die sie bevölkern, in Verbindung zu gehen.
Herbstliche Grüsse aus der Schweiz ins schöne Tirol
Yvo
Danke für dieses wertschätzende Feedback, Joanna!
Das ist ein interessanter Gedanke, der mich an Überlegungen aus dem Zen erinnert:
Abstand zur Welt einnehmen, um später wieder in eine produktive Verbindung gehen zu können.
Alles Gute aus Luzern
Yvo
Gerne, Joanna!
Abstand zur Welt zu gewinnen ist immer wieder wertvoll. Mit Meditation, einem Spaziergang im Wald oder eben via Humor und Humorproduktion.
Heitere Grüsse aus der Schweiz … in Richtung Tirol,
Yvo