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69: Jobcrafting – Wie wir unsere Arbeit selbst gestalten können

    Was wäre, wenn wir aufhören würden zu warten, bis sich die Arbeitswelt ändert – und stattdessen einfach selbst anfangen, sie zu gestalten? Genau das ist der Kerngedanke von Job Crafting – und zugleich der Titel eines neuen Fachbuchs von Dr. Andrea Barrueto und Eveline Baumgartner Meier, das ich diese Tage interessiert gelesen habe. In diesem Beitrag reflektiere ich über den Hintergrund und die Auswirkungen, die das innovative Konzept „Jobcrafting“ auf die Arbeitswelt und die darin beschäftigen Menschen haben könnte.

    Definition des Begriffs „Jobcrafting“

    Job Crafting bezeichnet die eigeninitiierte, bewusste Gestaltung der eigenen Arbeit durch Mitarbeitende. Dabei werden Aufgaben, Beziehungen und die persönliche Wahrnehmung der Arbeit so angepasst, dass sie besser zu den individuellen Stärken, Interessen und Werten passen. Ziel ist es, mehr Sinn, Motivation und Wohlbefinden im Job zu erleben – unabhängig von formalen Rollenbeschreibungen oder hierarchischen Vorgaben.

    Job Crafting bedeutet: Du gestaltest deinen Job – nicht dein Chef. Und das Beste daran: Du kannst sofort damit anfangen. Ganz ohne Genehmigung von oben. Die Autorinnen zeigen in ihrem Buch, wie Menschen ihre Arbeit aktiv an ihre Stärken, Bedürfnisse und Werte anpassen können – auch dann, wenn Strukturen oder Rollen scheinbar festgelegt sind. Job Crafting ist ein Aufruf zur Selbstverantwortung – und ein Werkzeug für alle, die sich mehr Sinn, Energie und Zufriedenheit im Job wünschen.

    Was dieses Buch besonders macht

    Schon beim ersten Durchblättern fällt auf: Das Buch ist klar strukturiert, gut lesbar und durchdacht aufgebaut. Wissenschaftlich fundierte Theorien werden verständlich erklärt, ohne je trocken zu wirken. Barrueto und Baumgartner Meier verbinden psychologisches Know-how, Coaching-Erfahrung und praktische Alltagstauglichkeit auf eine sehr ansprechende Weise.

    Besonders hilfreich sind die Reflexionsübungen, Grafiken und Impuls-Boxen, die dem Buch eine angenehm dialogische Form verleihen. Hier wird nicht nur über Veränderung geschrieben – das Buch selbst lädt zur Veränderung ein.

    Coverbild Dr. Andrea Barrueto und Eveline Baumgartner Meier, Podcastgespräch Nr. 128 mit Yvo Wüest

    Drei Phasen für Wirkungsvolles Jobcrafting

    Das Buch ist als  praxisnahes Arbeitsbuch konzipiert, das auf drei klar strukturierte Phasen setzt:

    1. Reflexionsphase – Wo stehe ich, und was brauche ich wirklich?
    Mit acht durchdachten Tools begleiten die Autorinnen durch eine vertiefte Selbstreflexion:

    • Selbstreflexion und Zukunftsplanung
    • Stärken: Der Schlüssel zum Erfolg
    • Der Wertekompass
    • Logbuch: Zeit und Energie der Tätigkeiten
    • Den Traumjob spinnen
    • Identifikation von Vorbildern
    • Die Beziehungslandkarte
    • Der Steckbrief des Unternehmens

    Diese Instrumente helfen, die eigene Arbeit aus neuen Perspektiven zu betrachten und verborgene Ressourcen zu aktivieren.

    2. Crafting-Phase – Jetzt wird gestaltet!
    Hier geht es ums konkrete Handeln. Vier Anleitungen und ein strukturierter Fragebogen zeigen, wie kleine Veränderungen im Alltag große Wirkung entfalten können:

    • Fragebogen: Die Facetten meiner Arbeit
    • Transformation der Gedanken
    • Gestaltung der Tätigkeiten
    • Beziehungen gestalten
    • Transformation des Arbeitsalltags und Umfelds

    Die Tools machen Mut, die eigene Rolle aktiv weiterzuentwickeln – unabhängig von formalen Vorgaben.

    3. Follow-up-Phase – Dranbleiben und reflektieren
    Damit Veränderungen nachhaltig wirken, bieten die Autorinnen drei unterstützende Tools:

    • Überblick behalten
    • Wöchentliche Erfolgsbilanz
    • Erfolgstagebuch

    Diese Phase hilft, Fortschritte sichtbar zu machen, Routinen zu stärken und Rückschläge konstruktiv zu verarbeiten.

    Handschriftliche Notizen von Yvo Wüest, März 2025

    Werkzeuge für die Umsetzung

    Ein Highlight sind die vielen praktischen Tools, die man beim Kauf des Buchs erhält und die sich einfach runterladen lassen:

    • Ein Fragebogen über die Facetten deiner Arbeit
    • 8 Tools für die Reflexionsphase, etwa zur Analyse von Stärken, Werten oder Zeitverwendung
    • 4 Anleitungen für die Crafting-Phase, u. a. zur Gestaltung von Aufgaben und Beziehungen
    • 3 Anleitungen für die Follow-up-Phase, um Fortschritte festzuhalten und dranzubleiben

    Diese Werkzeuge machen das Buch nicht nur zu einem Impulsgeber, sondern zu einem wertvollen Begleiter auf dem Weg zur Veränderung.

    Für wen ist dieses Buch gedacht?

    Für alle, die sich nach mehr Selbstwirksamkeit, Sinn und Lebendigkeit im Arbeitsalltag sehnen – unabhängig davon, ob sie in einem Grosskonzern arbeiten, freiberuflich tätig sind oder im Bildungs- oder Sozialbereich beschäftigt sind.
    Gerade für Bildungsfachleute, Lehrpersonen und Schulleitende ist das Buch relevant, da es zeigt, wie auch in stark strukturierten Systemen wie Schulen individuelle Gestaltungsräume entdeckt und genutzt werden können. Lehrpersonen können mit Hilfe der Reflexions-Tools ihre Aufgaben besser an persönliche Stärken und Werte anpassen, um Überlastung zu vermeiden und neue Energie zu gewinnen. Schulleitungen wiederum erhalten konkrete Impulse, wie sie eine Kultur der Mitgestaltung und Selbstverantwortung im Kollegium fördern können – etwa durch gezielte Teamreflexionen, Beziehungskarten oder einfache, kraftvolle Fragen im Schulentwicklungsprozess.
    Auch für Führungskräfte und HR-Profis bietet das Buch wertvolle Perspektiven, um Mitarbeitende zu stärken statt zu steuern.

    Fazit

    „Job Crafting – Arbeit besser gestalten“ ist ein Mutmacher in Buchform.
    Es erinnert uns daran, dass wir mehr Spielraum haben, als wir denken – und dass Veränderung oft im Kleinen beginnt.

    Ich denke dabei an diese kleinen, bewussten Schritten im Alltag – zum Beispiel, indem man sich jeden Morgen 10 Minuten Zeit nimmt, um die drei wichtigsten Aufgaben des Tages zu klären und dabei die eigenen Stärken gezielt einsetzt. Das schafft nicht nur mehr Fokus und Energie, sondern stärkt auch das Gefühl von Selbstwirksamkeit und Kontrolle über den Arbeitstag.

    Ich empfehle das Buch allen, die ihre Arbeit nicht nur ertragen, sondern gestalten wollen. Und vielleicht sogar ein bisschen mehr von dem zurückgewinnen möchten, was Howard Thurman einmal als das bezeichnet hat, was die Welt wirklich braucht: Menschen, die lebendig geworden sind.

    Ressourcen:

    Podcast-Episode Nr. 128 mit Dr. Andrea Barrueto und Eveline Baumgartner Meier „Jobcrafting – Arbeit besser gestalten“ vom 03.04.25: https://open.spotify.com/episode/1tEkAVx8LEwzGIg0UHWoZa?si=AfoiRy1DQuqVrBm-umWoIA

    Buch „Jobcrafting – Arbeit besser gestalten“, erschienen 2024 beim Business Village Verlag: https://www.businessvillage.de/job-crafting-arbeit-besser-gestalten.html

    Podcast von Urs Blum, IAP ZHAW, in der Reihe Vitamin P: Job Crafting – den eigenen Job neu entdecken und selbst gestalten: https://youtu.be/vNS8D8hS_nA?si=w11cVWK2069TjFVB

    Podcast von Dr. Verena Stahl „Arbeit, die wirklich Freude mach: Was New Work, Jobcrafting und Ikigai gemeinsam haben“ https://open.spotify.com/episode/0jLGEOUuvIPLbiJMVZENuY?si=YSGY3xFbTg-S4UrvA3p1Zw

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