Stell dir vor: Künstliche Intelligenz ist nicht dein Ghostwriter – sondern deine Assistenz. Und du leitest das Team. Mit diesem Leitbild beschreibt Dr. Isabella Buck, Schreibdidaktikerin, Hochschullehrerin und Mitglied im Kompetenzzentrum VK:KIWA den Wandel des wissenschaftlichen Schreibens im KI-Zeitalter. In diesen Blogbeitrag rezensiere ich ihr neues Buch „Wissenschaftliches Schreiben mit KI“ (UVK Verlag, 2025). Du erfährst, was ich aus der Lektüre des Buches und der Aufzeichnung der Podcastfolge Nr. 134 zu ihrem fundierten, praxisnahen und hochaktuellen Ratgeber für Studierende, Lehrende und Wissenschaftler:innen gelernt habe.

Zwischen Reflexion und Praxis: Ein Ratgeber für die Bildungsarbeit
Künstliche Intelligenz sinnvoll in den wissenschaftlichen Schreibprozess zu integrieren, ohne dabei die Verantwortung für den eigenen Text abzugeben, das ist das Kernanliegen von Dr. Isabella Buck. In ihrem Buch erklärt sie, wie Studierende und Lehrende KI-gestützte Tools effizient, transparent und verantwortungsvoll nutzen können. Dabei kombiniert sie technische und ethische Grundlagen mit konkreten Handlungsanleitungen für alle Phasen des wissenschaftlichen Arbeitens. Damit liefert sie eine wertvolle Ressource für Bildungsfachleute, die Schreibprozesse begleiten oder gestalten.
Grundlagen: Was sollte ich über KI wissen?
Bevor man KI in den eigenen Schreibprozess integriert, sollte man verstehen, wie sie funktioniert. Die ersten beiden Kapitel des Buches bieten eine leicht verständliche Einführung in zentrale Begriffe, Funktionsweisen und Herausforderungen, darunter auch ethische Fragen und Datenschutzaspekte. Dabei wird auch erklärt, warum KI-generierte Inhalte oft nicht eins zu eins übernommen werden sollten.
Konkret wird dort Folgendes erläutert:
- Was sind Large Language Models? Wie funktionieren Prompting und maschinelles Lernen?
- Und welche ethischen Dilemmata ergeben sich aus dem Einsatz von KI beim wissenschaftlichen Arbeiten?
Die Einführung eignet sich ideal als Hintergrundwissen für Seminare, Workshops oder Curriculumsentwicklungen im Bereich „Schreiben mit KI“.

Wissenschaftliches Schreiben mit KI: Chancen und Herausforderungen
Wie kann KI verantwortungsbewusst genutzt werden? In Kapitel 3 werden praxisnah Themen wie die Auswahl geeigneter Tools, die richtige Instruktion (Prompting) und die Grenzen der Technologie behandelt. Buck macht deutlich, dass KI eine hilfreiche Assistenz ist, das eigene wissenschaftliche Denken aber nicht ersetzt. Transparenz und wissenschaftliche Redlichkeit stehen dabei im Vordergrund. Im Grunde geht es in diesem Kapitel also um den bewussten Umgang mit den Grenzen von KI-Systemen.
Motto: „KI ist kein Shortcut zum fertigen Text – sondern ein Spiegel für Denkprozesse.“
Praxisnah und fundiert: So gelingt wissenschaftliches Schreiben mit KI
Kapitel 4 bildet den Kern des Buches. Es zeigt Schritt für Schritt, wie sich KI-Tools in die zentralen Teilaufgaben des wissenschaftlichen Schreibens – von der Literaturrecherche über die Textstrukturierung bis hin zur Überarbeitung – einbinden lassen. Besonders hilfreich sind die konkreten Beispiele und die reflektierte Auseinandersetzung mit KI als Schreibbegleiter.
Besonders hilfreich sind Beispielprompts, etwa zur Wahl einer Forschungsmethode oder zur Diskussion von Argumentationslinien. Viele Kapitel enthalten zudem QR-Codes und Links zu weiterführenden Tools. Dies ist ideal für den Einsatz in der Lehre oder in Selbstlernphasen.
Ein Blick in die Zukunft: Wie entwickelt sich das wissenschaftliche Schreiben weiter?
Kapitel 5 wagt eine Prognose zur Zukunft des wissenschaftlichen Arbeitens mit KI. Buck stellt zehn prägnante Thesen zur Zukunft des akademischen Schreibens mit KI auf. Welche Entwicklungen sind zu erwarten? Wie wird sich die akademische Praxis verändern? Buck liefert wertvolle Denkanstösse und regt zur kritischen Reflexion über die Rolle menschlicher Expertise im digitalen Wandel sowie zur Entwicklung einer eigenen Position an.

Herausforderungen für Bildungseinrichtungen: Institutionelle Klarheit über Richtlinien und Grenzen
Bei der Lektüre des Buches und der Aufzeichnung unseres Podcastgesprächs kam mir der Gedanke, dass die zentrale Herausforderung im Moment lauten könnte: Wie lassen sich die vorgestellten KI-gestützten Schreibpraktiken sinnvoll in bestehende Curricula integrieren, ohne neue Ungleichheiten zu schaffen?
Und auch wenn Buck zu Recht betont, dass die Verantwortung beim Menschen bleibt, ist nicht jede:r Studierende:r und jede:r Lehrkraft gleich vertraut mit KI-Tools, Promptlogik oder kritischer Reflexion digitaler Werkzeuge.
Gerade im hochdiversen Bildungskontext (z. B. Fachhochschulen, berufliche Weiterbildung, Studienanfänger:innen) braucht es mehr als gute Prompts: Es braucht didaktische Begleitung, Medienkompetenzförderung und institutionelle Klarheit über Richtlinien und Grenzen.
Fragen, die im Moment offenbleiben:
Wie gehen Bildungseinrichtungen mit der zunehmenden Abhängigkeit von kommerziellen KI-Tools um?
- Wie können Lehrende, die bisher kaum Berührungspunkte mit KI hatten, qualifiziert werden?
- Und wie können wir eine neue Schreibkultur etablieren, die sowohl technische Möglichkeiten als auch wissenschaftsethische Prinzipien ernst nimmt?
Das Buch ist ein wichtiger Schritt, ersetzt jedoch keine strategische Auseinandersetzung mit KI in der Lehre. Vielmehr lädt es dazu ein, genau diese Debatte zu führen. Und das ist vielleicht sein größter Verdienst.
Fazit: Pflichtlektüre für Studierende und Lehrende
Dr. Isabella Buck verbindet KI-Technologie mit wissenschaftlicher Praxis, ohne in Plattitüden oder Schwarz-Weiß-Denken zu verfallen. Sie zeigt praxisnah, wie KI-Tools den Schreibprozess unterstützen können und wo ihre Grenzen liegen. Ihr Credo: „You are the expert!” Studierende und Lehrende tragen weiterhin die Verantwortung für ihre Texte und sollten KI bewusst und reflektiert einsetzen.
Das Buch ist ein wichtiger Schritt, ersetzt aber keine strategische Auseinandersetzung mit KI in der Lehre. Vielmehr lädt es dazu ein, genau diese Debatte zu führen. Und das ist schon einmal ein großer Verdienst.
Darum empfehle ich das Buch Lehrenden an Hochschulen, Fachhochschulen und Weiterbildungseinrichtungen sowie Studierenden, Promovierenden und allen, die sich mit der Zukunft des wissenschaftlichen Schreibens auseinandersetzen möchten.
Ressourcen:
Weitere Informationen und Einblicke gibt es auf Dr. Isabella Bucks Blog: https://isabella-buck.com/blog/
Podcastgespräch Nr. 134 mit Dr. Isabella Buck zu ihrem neuen Fachbuch „Wissenschaftliches Schreiben mit KI“ bei Education Minds GmbH: https://youtu.be/VBN6yJpRZGg?feature=shared
Barbara Geyer und Rita Stampfe veröffentlichten am 21.03.25 in der Zeitschrift des Forum Neue Medien in der Lehre Austria einen Beitrag zu einem von ihnen entwickelten GPT-Bot, der Studierende durch den komplexen Prozess der Themenfindung für wissenschaftliche Arbeiten führt. führt: https://www.fnma.at/medien/fnma-magazin
„Wie sieht die Zukunft der Abschlussarbeiten im KI-Zeitalter aus?“ Mit dieser Frage beschäftigt sich das neue HFD-Diskussionspapier „Wissenschaftliche Abschlussarbeiten im KI-Zeitalter” von Doris Weßels, Annabell Bils und Jannica Budde. https://lnkd.in/ehmPF9GW