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15: Didaktische Reduktion, Microlearning und Gamification:

In einem Podcast-Gespräch, das Ende Januar 2023 in der Reihe “Education Minds – Didaktische Reduktion und Erwachsenenbildung” ausgestrahlt wird, unterhalte ich mich mit Jürg Hofer, Gamification und Microlearning Experte und Startup-Unternehmer, über den Zusammenhang zwischen Micro-Learning und didaktischer Reduktion.

Die Notwendigkeit der betrieblichen Weiterbildung – und damit ihr Stellenwert – ist unumstritten. Er ist gleichermassen das verbindende oder auch treibende Element zwischen didaktischer Reduktion und Microlearning. In einem kompetitiven Markt, gepaart mit einer hohen Kadenz von neuen Produkten, die sich stets weniger unterscheiden, wird die Kompetenz der Mitarbeitenden zu einem strategischen Faktor. Lebenslanges Lernen ist in aller Munde.

Betriebliche Weiterbildung muss wirksamer, nachhaltiger werden und vom Aufwand her weniger Ressourcen in Anspruch nehmen.

Didaktische Reduktion und Microlearning gehen da Hand in Hand – insbesondere bei online-Lernformaten. 

Jürg Hofer, CEO und Partner bei Prime Competence, im Gespräch mit Host Yvo Wüest

Die Lernmotivation der Teilnehmenden in den Mittelpunkt stellen

Es geht aber nicht nur um die Effizienzsteigerung beim eigentlichen Training, sondern auch um die Lernmotivation der einzelnen Teilnehmenden. Gesellschaftliche Trends, wie die sinkende Aufmerksamkeitsspanne, gerade bei jüngeren Generationen, führen dazu, dass klassische Lernmethoden oder auch E-Learnings weniger Anklang finden.

Eine spielerische Aufbereitung von Lerninhalten kann die Lernmotivation erheblich steigern. Dabei ist klar, dass sich nicht alle Themen gleichsam eignen und vor allem auch der eigentliche Inhalt vereinfacht werden muss. Auch hier spielt die didaktische Reduktion ein Schlüsselrolle.

Eine beliebte spielerische Anwendung ist das Quiz oder ein Wissensduell, bei dem sich Lernende gegenseitig messen und herausfordern. Damit das Spiel attraktiv bleibt und trotzdem ein Lerneffekt stattfindet, muss die Anzahl der Fragen gut gewählt werden. Es braucht eine Balance zwischen abwechslungsreich (zum Beispiel mit möglichst unterschiedlichen Fragen) und einer Repetition (mit möglichst wenig Fragen), damit tatsächlich ein Lerneffekt erzielt wird. 

Das erreichen wir damit erreicht, dass wir die gleiche Fragestellung auf verschiedene Weise formuliert und unterschiedlich beleuchten.

Das Management muss Verantwortung übernehmen

Ein kritischer Einwand beim Einsatz technik-basierter Methoden wie Lern-Apps oder Lernevents mit Wissensturnieren, lautet oft, dass die Führung und Begleitung dieser Lernprozesse an die eingesetzte Anwendung delegiert wird.  Erfahrung zeigt aber, dass dies nicht zum gewünschten Resultat führt. Und eine solche, wenn auch attraktive gamifizierte Bildungsmassnahme bei den Anwendern schnell wieder verpufft. Eine spielerische App ersetzt das Management nicht.

Erfolgreich ist eine Lern-App nur, wenn die Teilnahme durch das Management vorgelebt und ein kontinuierliches ‘Nudging’ betrieben wird. Und ein erheblicher Teil der Teilnehmenden muss im Weiteren durch extrinsische Motivatoren angespornt werden, inklusive klassischer Vorgaben und dessen Kontrolle.

Qfive auf dem Destop und einem Smartphone

Auszug aus dem Podcastgespräch Nr. 41: “Jürg Hofer – Gamification und Didaktische Reduktion gehen Hand in Hand”

Nachfolgend finden sich in diesem Blogbeitrag Schlüsselstellen aus den neuen Podcastgespräch zwischen Yvo Wüest, Trainer für Didaktische Reduktion und Fachbuchautor mit Jürg Hofer, Experte für Gamification und Microlearning. 

Yvo Wüest: Jürg, du bist vom Hintergrund Elektroingenieur, hast ursprünglich als Programmierer gestartet, Führungsfunktionen in Telecomfirmen ausgeübt und aktuell, mit einem Partner in München ein Startup mit dem Namen PrimeCompetence gegründet. Erzähl uns etwas aus deinem Leben. 

Jürg Hofer: Ja, gerne – ‘in a nutshell’ wie die Amerikaner sagen. Nach Lehre und Studium an der Fachhochschule Rapperswil bin ich in die USA, genauer nach Boston, gezogen und hab dort fast sechs Jahre gelebt und auch weiter studiert. 

Gearbeitet habe ich als Ingenieur bei einem der Pioniere der Halbleiter-Test-Industrie. Zuerst in der Programmierung und später dann im Marketing und im Verkauf. 

Zurück in der Schweiz ging ich zurück zu meinem alten Lehrbetrieb und war dort als Export-Verkaufsleiter für die Märkte Nord- und Lateinamerika zuständig. Am Vorabend der Liberalisierung des Telecom-Marktes und der Lancierung der Mobilkommunikation habe ich, nach sieben Jahren Export, die Geschäftsführung der CH-Niederlassung eines damals noch unbekannten finnischen Herstellers von Mobilfunk-Infrastruktur übernommen. In diesen wilden und turbulenten Jahren konnte ich zusammen mit meiner, inzwischen 300-köpfigen, Crew, zwei Mobilfunknetze in der Schweiz aufbauen.

Nach weiteren sieben Jahren wagte ich mich dann in die Selbstständigkeit, wo ich mich in den verschiedensten Sparten bewegte. Vor rund 10 Jahren lernte ich Karl Berger in München kennen, wo wir zusammen seine Idee von ‘Adventure-based Learning’ mit namhaften Kunden umsetzten. Leider waren wir der Zeit etwas voraus und mussten uns neu orientieren – heraus kam QUIZMAX, das jetzt mit der Version fünf auf QFIVE umgetauft wurde.

3 Yvo Wüest: Jürg, wir kennen uns aus dem Entwicklungsprojekt von meinem neuen “Mini-Handbuch Didaktische Reduktion”, welches der Beltz Verlag 2022 publizierte. Damals habe ich rund 20 Bildungsfachleute zu “Didaktische Reduktion” interviewt und mich auch mit dir über deine Erfahrungen ausgetauscht. 

Konkret interessierten mich deine Beobachtungen mit den periodisch notwendigen Trainings, die in vielen Grossbetrieben und KMUs durchgeführt werden. Die gleichzeitig eben auch viele Probleme und Mängel aufweisen. Magst du uns hier deine Perspektive aufzeigen?

Jürg Hofer: Lebenslanges Lernen und damit verbunden Trainings sind schon seit längerem kein ‘nice-to-have’ mehr, sondern sind eine absolute Notwendigkeit für Arbeitnehmer wie auch Betriebe geworden. In einer kompetitiven Welt ist die Fähigkeit schneller zu lernen als der Mitbewerber zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil geworden. In vielen Belangen aber ist das dazu notwendige und klassische Training, mit all seinen inhärenten Mängeln, zeitlich im letzten Jahrhundert stecken geblieben: Gelerntes ist nach kurzer Zeit wieder verflogen und Schulungen, gerade bei ‘langweiligen’ Themen wie Compliance, sind bei Mitarbeitenden nicht beliebt. 

Hinzu kommen jetzt noch gesellschaftliche Trends wie die sinkende Aufmerksamkeitsspanne, gerade bei jüngeren Generationen wie Millennials und Generation Z… und natürlich die Auswirkungen bzw. Einschränkungen, die die Pandemie mitgebracht hat. 

Dank neuer Technologien und insbesondere der Mobilkommunikation, konnten sich neue Lernformen etablieren. Stichworte dazu sind ‘Micro-Learning’ und ‘Gamification’.

Qfive auf dem Smartphone


-4 Yvo Wüest: Was hat es mit dem Stichwort “Gamification” auf sich? Wie definiert du den Begriff und kannst ein konkretes Bespiel für ein gamifizierte Lernangebot machen?

Jürg Hofer: ‘Gamification’, im Kontext von Schulung oder Training, heisst, dass Trainings oder Schulungsmassnahmen in spielerischer Form durchgeführt werden und dabei u.a. auch die intrinsischen Motivatoren der Teilnehmer angesprochen werden. Dadurch wird das Lernen zum Spiel, die Lernmotivation ist höher und der Lernerfolg wird dadurch verbessert.

Auch ist es möglich in einem Spiel verschiedene Lernformen einzubauen, was aus didaktischer Sicht ebenfalls ein erstrebenswert ist. 

Als Beispiel nehme ich natürlich gerne unser ‘QFIVE’  – eine Lern-App, wo Teilnehmer sich in einem Wissensduell gegenseitig herausfordern und in einer Mission über verschiedene Levels durch Lösen von Aufgaben einen virtuellen Berg erklimmen müssen, wo Sie am Gipfel dann eine Prüfung ablegen und sich dann, bei Bestehen, das persönliche Zertifikat herunterladen können.

-5 Yvo: Unsere Podcast-Reihe und die Zuhörenden interessieren sich ja besonders für das Thema “Didaktische Reduktion und Erwachsenenbildung”. Jürg, siehst du hier in deiner Tätigkeit, bei der Entwicklung eurer Angebote, mit dem Schwerpunkt Gamification, eine Verbindung?

Jürg: Unsere Lösungen müssen per Definition (didaktisch) reduziert werden. Ein Wissensduell besteht aus Fragen und möglichen Antworten, die unter Zeitdruck beantwortet werden müssen (so ähnlich wie bei ‘Wer wird Millionär’). Die didaktische Herausforderung liegt vor allem bei der Formulierung der möglichen Antworten – die können entweder trivial oder etwas anspruchsvoller formuliert werden. Nichtdestotrotz muss die Thematik einfacher dargestellt werden – man kann zum Beispiel da auch mit Grafiken oder Illustrationen arbeiten. Generell ist dadurch die Stofffülle wie auch die Komplexität vereinfacht und es eignen sich auch nicht alle Themen gleichermassen für eine solche Lernform. Wobei man, erstaunlicherweise, durch eine Variation von Frageformen, ein Thema oder Fakt verschieden beleuchten kann.

Ein weiterer wichtiger Aspekt in diesem Zusammenhang ist auch die Anzahl von Fragen, die man in einem solchen Spielformat einbaut. Sind es zu wenig Fragen, wird es schnell langweilig und sind es zu viele Fragen, findet keine Repetition (und damit kein Lernen) statt.

-Yvo Wüest: Was sind deine Prognosen, wohin entwickelt sich die betriebliche Bildungsarbeit in den nächsten Jahren? Wir künftig ausschliesslich gespielt oder gibt es Mischformen von Angeboten und verschwindet vielleicht auch ein vertrautes Format?

Jürg Hofer: Da greife ich gerne auf ein Bonmot zurück: Prognosen sind schwierig, vor allem wenn es die Zukunft betrifft. Ich sehe klar einen Trend in Richtung personalisiertes Lernen, Nutzung von Smartphones und insbesondere auch hybride Formen, wo klassische Workshops mit mobilen online Formaten kombiniert oder ergänzt werden. 

Besonders gespannt bin auf Trainingsformate, die im Metaverse angeboten werden – dies auch im Zusammenhang mit Virtual Reality und Augmented Reality. Die Driver hier werden einerseits das wachsende Bedürfnis nach Training (und die damit verbundenen Kosten) und andererseits die begrenzte verfügbare Zeit für Trainings sein.

-Yvo Wüest: Vielen Dank für dieses interessante Gespräch weiterhin alles Gute!
Jürg Hofer: Ich danke dir für die Einladung zum Gespräch! 

QFive in der Anwendung auf einem Smartphone

Ressourcen:

Webseite von Jürg Hofer: https://q-five.com

LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/juerghofer/

Podcast Education Minds – Didaktische Reduktion und Erwachsenenbildung: https://open.spotify.com/show/2ruXCnmxoyy2QrCqb3wQS0?si=27084aa4523647cf

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