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39: Mit Design Thinking und Design Sprints Bildungsangebote planen

    Design Thinking ist ein Ansatz zur Problemlösung und Innovation, der sich durch Nutzerzentrierung, Kreativität und iteratives Vorgehen auszeichnet. Ursprünglich im Bereich des Designs entwickelt, wird er heute in vielen verschiedenen Bereichen angewandt. Die Kernidee von Design Thinking ist es, Lösungen zu entwickeln, die sich eng an den Bedürfnissen und Wünschen der Nutzer orientieren. In diesem Beitrag erfährst du, wie dieser Ansatz und die darauf basierende Methode “Design Sprint” die Planung von Bildungsangeboten unterstützen können.

    Design Thinking in der Praxis

    Überlegen wir kurz, wie wir als Mitarbeiterin oder Mitarbeiter einer Organisation an die Lösung eines Problems herangehen, bei dem die Reaktionsmöglichkeiten prinzipiell offen und vielfältig sind und andere Personen involviert sind.

    Wahrscheinlich schauen wir uns zuerst die Sache an und überlegen dann, was das Problem ist. Wir kontaktieren andere Personen aus unserer Abteilung oder unserem Netzwerk, die sich mit der Situation oder möglichen Lösungen auskennen. Im Dialog mit den “Expert:innen” entwickeln wir erste Ideen. Dann entscheiden wir uns für die erfolgversprechendste Variante und überlegen, wie wir sie umsetzen können. Wir fragen Personen aus der Zielgruppe, ob unser Ansatz taugt und gehen – bei positivem Feedback – in die Produktion.

    Katja Paar, erfahrene Design Thinkerin, Digital Strategist und Visualisierin aus Berlin, fasst dies so zusammen: “Design Thinking ist – wenn man Probleme lösen möchte in deren Lösungsraum andere Personen involviert sind, Probleme, die komplex sind und Wissen aus unterschiedlichen Richtungen, Überblick und Tiefe benötigen – eine logische und durch und durch natürliche Denkweise. Natural Thinking, sozusagen.”

    Visualisierung von Katja Paar, Mediaworx 2018

    Fünf typische Prozess-Phasen im Design Thinking

    Der Prozess des Design Thinkings lässt sich typischerweise in mehrere Phasen unterteilen:

    1. Empathie: In dieser Phase geht es darum, ein tiefes Verständnis für die Nutzer und ihre Bedürfnisse zu entwickeln. Methoden wie Interviews, Beobachtungen oder Nutzerbefragungen setzen wir dazu ein.
    2. Definition: Basierend auf den gewonnenen Erkenntnissen definieren wir das eigentliche Problem. Diese Phase hilft uns, den Fokus zu schärfen und uns auf die wesentlichen Aspekte zu konzentrieren.
    3. Ideation (Ideenfindung): In dieser kreativen Phase generieren wir Ideen. Techniken wie Brainstorming oder Brainwriting kommen zum Einsatz, um eine Vielzahl von Lösungsansätzen zu entwickeln.
    4. Prototyping: Die vielversprechendsten Ideen setzen wir nun in Prototypen um. Diese können sehr einfach sein und dienen dazu, die Ideen schnell und kostengünstig testbar zu machen.
    5. Testen: Die Prototypen testen wir mit realen Nutzern. Das Feedback fließt zurück in den Entwicklungsprozess und kann zu Anpassungen oder gar einem erneuten Durchlaufen der vorherigen Phasen führen.
    Mit ChatGPT und DALL-E generiertes Bild, 12.01.24. Prompt: Erstelle eine Grafik, die das Konzept des Design Thinking im Kontext der Erwachsenenbildung veranschaulicht. Sie soll verschiedenen Phasen und Schlüsselelemente dieser Methode beinhalten und darstellen, wie sie in der Gestaltung von Bildungsangeboten Anwendung finden kann.

    Design Thinking betont die Bedeutung von Teamarbeit und interdisziplinären Teams, da unterschiedliche Perspektiven und Fachkenntnisse die Qualität der Lösungen verbessern können. Darüber hinaus ist der Ansatz iterativ: Er geht davon aus, dass wiederholte Überarbeitungen und Verbesserungen unerlässlich sind, um zu den besten Lösungen zu gelangen.

    Die Methode Design-Sprint als Vorbild für die Planung von Lernangeboten

    Im Kapitel “Ausblick” ganz am Ende des “Mini-Handbuch Didaktische Reduktion” (Beltz 2022) findet sich ein Beitrag, der die Methode des Design Sprints als wertvolles Werkzeug für die Planung und Gestaltung von Lernangeboten beschreibt.

    Ich erläutere, wie dieser Ansatz gerade bei der Entwicklung eines Online-Kurses oder einer neuen Plattform für Online-Coaching hilfreich sein kann.

    Die sportlich klingende Bezeichnung “Sprint”, verbunden mit der Absicht, ein Lernangebot zu “designen”, basiert auf bewährten methodischen Überlegungen aus dem “Design Thinking”. Häufig werden auch die aus der IT-Entwicklung bekannten “agilen Methoden” eingesetzt.

    Was ist ein Design Sprint?

    Ein Design Sprint ist ein zeitlich begrenzter, strukturierter Prozess zur Problemlösung und Ideenentwicklung, der ursprünglich von Google Ventures entwickelt wurde. Ein Design Sprint dauert in der Regel fünf Tage und folgt einem festgelegten Ablauf:

    1. Tag 1 – Verstehen: Das Team sammelt Informationen über das Problem, um ein tiefgreifendes Verständnis zu entwickeln.
    2. Tag 2 – Divergieren (Aufspüren): Auf Basis des Verständnisses entwickeln die Teilnehmer individuell Lösungsansätze in Form von Skizzen.
    3. Tag 3 – Konvergieren: Das Team wählt die überzeugendsten Ideen aus und entscheidet, welche in einem Prototyp umgesetzt werden sollen.
    4. Tag 4 – Prototypen: Ein realistischer, aber nicht vollständig ausgearbeiteter Prototyp wird erstellt.
    5. Tag 5 – Testen: Der Prototyp wird mit realen Nutzern getestet und Feedback wird gesammelt.
    Mit ChatGPT und DALL-E erstelltes Bild, 12.01.24. Prompt: Erstelle eine Grafik, die das Konzept des Design Sprints im Kontext der Erwachsenenbildung veranschaulicht und die verschiedenen Phasen und Schlüsselelemente dieser Methode aufzeigt.

    Die Bezeichnungen dieser 5 Phasen können je nach Organisation leicht variieren. Das Gesamtkonzept bleibt in der Regel gleich: ein zeitlich begrenzter Designzyklus zur Entwicklung innovativer und bedarfsgerechter Lernangebote. Dabei geht es darum, sich intensiv mit den Bedürfnissen und Herausforderungen der Zielgruppe auseinanderzusetzen und darauf aufbauend Lernkonzepte zu entwickeln.

    Vorteile des Design Sprints in der Erwachsenenbildung:

    1. Nutzerzentrierung: Durch den Fokus auf das Verstehen der Zielgruppe und das Testen mit realen Nutzern entwickeln wir Lernangebote, die genau auf die Bedürfnisse der Lernenden zugeschnitten sind.
    2. Schnelle Ergebnisse: Durch die zeitliche Begrenzung des Sprints fördern wir schnelle und effiziente Lösungen. Das ist besonders in sich rasch verändernden Bildungsumfeldern von Vorteil.
    3. Förderung der Kreativität: Die Methodik des Design Sprints ermutigt zu kreativem Denken und zur Entwicklung innovativer Ansätze.
    4. Interdisziplinäre Zusammenarbeit: Ein Design Sprint bringt Menschen aus verschiedenen Bereichen zusammen, was zu einem vielfältigen und ganzheitlichen Ansatz in der Lernkonzeptentwicklung führt.
    5. Iterativer Prozess: Ähnlich wie beim Design Thinking ermöglicht der iterative Prozess des Design Sprints, dass Lernangebote kontinuierlich getestet, angepasst und verbessert werden.
    6. Klare Struktur: Der strukturierte Prozess hilft uns, fokussiert und zielgerichtet zu arbeiten, was gerade in komplexen Bildungsprojekten von Vorteil sein kann.

    Die Design Sprint Methode ermöglicht in der Erwachsenenbildung die kollaborative Entwicklung von Lernangeboten, die nicht nur innovativ und bedarfsgerecht sind, sondern auch schnell auf den Markt gebracht werden können. Sie stellt eine Bereicherung für die Planung und Umsetzung von Bildungsangeboten dar und kann helfen, Lerninhalte effektiver und zielgerichteter zu gestalten.

    Gegenüberstellung der beiden mit ChatGPT und DALL-E erstellten Grafiken für Design Thinking und Design Sprint

    Was sind die Unterschiede zwischen Design Thinking und Design Sprint?

    Design Thinking und Design Sprint sind beides Methoden, die in der Innovations- und Produktentwicklung eingesetzt werden und einige Grundprinzipien teilen, sich aber in Struktur und Anwendung unterscheiden.

    Die wichtigsten Gemeinsamkeiten:

    1. Nutzerzentrierung: Beide Ansätze legen großen Wert darauf, die Bedürfnisse und Perspektiven der Endnutzer zu verstehen und in den Mittelpunkt der Entwicklung zu stellen.
    2. Iteratives Vorgehen: Sowohl Design Thinking als auch Design Sprint betonen die Wichtigkeit eines iterativen Prozesses. Ideen werden entwickelt, getestet und basierend auf dem Feedback verbessert.
    3. Kreativitätsförderung: Beide Methoden ermutigen zu kreativem und innovativem Denken, um neue Lösungen zu generieren.
    4. Prototyping und Testing: Prototypen werden in beiden Ansätzen genutzt, um Ideen schnell und kostengünstig zu testen und zu verfeinern.

    Die Unterschiede:

    1. Struktur und Zeitrahmen: Design Sprints haben eine sehr strukturierte Vorgehensweise und einen festen Zeitrahmen, in der Regel fünf Tage. Design Thinking ist flexibler in Bezug auf Struktur und Dauer des Prozesses.
    2. Fokus und Zielsetzung: Design Sprints zielen darauf ab, in kurzer Zeit eine konkrete Lösung für ein spezifisches Problem zu entwickeln und zu testen. Design Thinking ist breiter angelegt und dient der allgemeinen Entwicklung innovativer Ideen und Lösungsansätze.
    3. Teamzusammensetzung: Während Design Sprints oft mit kleinen, fokussierten Teams durchgeführt werden, kann Design Thinking in einer Vielzahl von Kontexten und Teamkonstellationen angewendet werden.
    4. Methodische Ausrichtung: Design Sprints folgen einem vorgegebenen Ablauf mit definierten Aktivitäten an jedem Tag. Design Thinking hingegen bietet einen Rahmen, der an die spezifischen Bedürfnisse eines Projekts angepasst werden kann.
    Podcastgespräch mit Andreas Hacklinger “Online-Kurse mit ChatGPT erstellen”, August 2023

    Fazit

    Der Design Sprint ist eine spezifische Ausprägung des Design Thinking. Es ist eine Methode, die für schnelle und zielgerichtete Innovationszyklen optimiert wurde. Beide Ansätze ergänzen sich gut und können je nach Projektanforderung und -umfang eingesetzt werden. Design Thinking bietet einen flexiblen Rahmen für die Ideenfindung und Problemlösung, während Design Sprints eine strukturierte Methode bieten, um schnell zu einem testbaren Prototypen zu gelangen.

    Ressourcen

    Yvo Wüest, Mini-Handbuch Didaktische Reduktion, Beltz 2022

    Podcastgespräch mit Andreas Hacklinger bei Education Minds zur Gestaltung von Lernangeboten mit ChatGPT

    Beitrag von Katja Paar, Design Thinking: Religion oder Natur?, Mediaworx 2018

    Kritischer Beitrag zu Design Thinking von Daniel Hornuff im Brand eins – Magazin: Lasset uns denken! (2017)

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