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46: Fünf Wichtige Regeln für Erfolgreiche Trainings

    Effektive Trainings sind der Schlüssel zu nachhaltigem Lernerfolg in der Erwachsenenbildung. Doch selbst erfahrene Trainerinnen und Trainer::innen können in häufige Fettnäpfchen treten. In diesem Artikel stelle ich fünf Grundregeln vor, die den Erfolg von Trainings erheblich steigern können. Dabei beleuchte ich sowohl wissenschaftliche Grundlagen als auch praktische Beispiele aus meiner Tätigkeit in der Erwachsenenbildung.

    Springtime, Celia D. K., Luzern, 2012

    Wissenschaftliche Grundlagen erfolgreicher Trainings

    Die Effektivität von Trainings in der Erwachsenenbildung stützt sich auf robuste wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Andragogik, Psychologie und Neurowissenschaft. Studien zeigen, dass eine bewusste Pausengestaltung, wie sie in der ersten Regel beschrieben wird, essentiell ist, um kognitive Überlastung zu vermeiden und das Langzeitgedächtnis zu stärken. Forschungen, wie die von Bjork und Bjork, betonen die Bedeutung von “spacing” und “interleaving” – Techniken, die Abwechslung und Verteilung des Lernstoffs beinhalten, um die Behaltensleistung zu verbessern.

    Die Bedeutung der Vor- und Nachbereitung wird ebenfalls durch empirische Studien untermauert. Die kognitive Belastungstheorie (Cognitive Load Theory von John Sweller), zu der ich bereits eine Podcastfolge veröffentlichte, erklärt, wie wichtig es ist, Lerninhalte so aufzubereiten, dass sie leichter verarbeitet werden können, was durch eine strukturierte Vor- und Nachbereitung erreicht wird.

    Schliesslich wissen wir aus der Forschung zur Selbstbestimmungstheorie (Self-Determination Theory von Edward L. Deci und Richard M. Ryan), dass die Motivation und das Engagement der Lernenden durch Methoden der Partizipation und interaktives Lernen, wie in Regel 4 diskutiert, signifikant gesteigert werden.

    Feedbackmechanismen, thematisiert in Regel 5, sind laut der Feedback-Interventions-Theorie (Feedback Intervention Theory nach Avraham N. Kluger und Angelo DeNisi) zentral, um das Lernen zu lenken und zu vertiefen.

    Im Folgenden beschreibe ich fünf Regeln, die du für deine Trainings berücksichtigen solltest.

    Regel 1: Lob den Pausen

    Es mag überraschen, das Thema “Lernerfolg” mit einem Aufruf für mehr Pausen zu starten. Doch Pausen sind unverzichtbar für einen erfolgreichen Lernprozess. Sie ermöglichen es dem Gehirn, neue Informationen zu verarbeiten und sind somit keine verlorene Zeit, sondern ein integraler Bestandteil jeder Lerneinheit.

    Beispiel aus der Praxis: In einem mehrtägigen Seminar für Berufsbildungsexperten habe ich neben den “grossen” 30-minütigen Pausen am Vormittag und Nachmittag regelmäßige 5-minütige Pausen als “Luft- und Biopause” eingeführt. Diese Pausen wurden für informelle Gespräche, Toilettengänge oder einfach zum Entspannen genutzt. Die Teilnehmenden berichteten in der Evaluation, dass sie sich nach den Pausen erfrischt fühlten und die Inhalte besser aufnehmen konnten.

    Regel 2: Davor und Danach

    Die Vorbereitung und Nachbereitung eines Trainings sind genauso wichtig wie die eigentliche Durchführung. Ein strukturiertes Onboarding und ein durchdachtes Follow-up fördern den langfristigen Lernerfolg. Bewährt hat sich, nicht zu nahe an den Trainingstermin, aber auch nicht zu weit entfernt davon, einen Vorbereitungsauftrag zu versenden. Sofern dieser sich in beispielsweise einen kurzen Leseauftrag mit klaren Fragen, oder einer Podcastempfehlung aufgliedert, werden unterschiedliche Sinneskanäle und Lernpräferenzen angesprochen.

    Beispiel aus der Praxis: Die Vor- und Nachbereitung eines Trainings sind ebenso wichtig wie die Durchführung selbst. Eine strukturierte Vorbereitung und eine durchdachte Nachbereitung fördern den langfristigen Lernerfolg. Es hat sich bewährt, nicht zu nahe, aber auch nicht zu weit vor dem Trainingstermin einen Vorbereitungsauftrag zu versenden. Sofern sich dieser z.B. in einen kurzen Leseauftrag mit klaren Fragen oder eine Podcast-Empfehlung aufgliedert, werden unterschiedliche Sinneskanäle und Lernpräferenzen angesprochen.

    Regel 3: Abwechslung

    Abwechslung in den Methoden und Medien ist entscheidend für die Aufrechterhaltung der Motivation und den Lernerfolg. Durch Abwechslung bleibt das Gehirn aktiv und aufnahmefähig. Da ich persönlich viel Wert auf Humor lege, baue ich auch immer wieder kleine Quizrunden ein, die einen klaren Bezug zum Lernthema haben und bei denen häufig auch ein Preis verlost wird.

    Beispiel aus der Praxis: In einem Workshop für Projektmanagement stellte ich nicht nur Methoden und Theorien vor, sondern lies die Teilnehmenden auch in Gruppen echte Projektentwürfe planen und präsentieren. Jede Gruppe erhielt ein reales Szenario, das typische Herausforderungen in Projekten widerspiegelte. Die Teilnehmenden mussten Strategien entwickeln, Problemlösungen erarbeiten und ihre Ergebnisse vor der Gruppe verteidigen. Diese abwechslungs- und handlungsorientierte Herangehensweise ermöglichte es den Teilnehmenden, theoretisches Wissen sofort praktisch anzuwenden und zu verinnerlichen.

    Regel 4: Interaktive Elemente

    Interaktivität fördert das Engagement und die aktive Beteiligung der Lernenden. Der Einsatz von Diskussionen, Umfragen und Rollenspielen macht das Lernen lebendig und praxisnah. Da es immer wieder Teilnehmende gibt, die sich durch das Wort “Rollenspiel” irritiert fühlen, nenne ich diese Methode konsequent “Übungssituation”. Und ich spreche die potentiellen Akteure, in der Regel extrovertiertere Persönlichkeiten, im Vorfeld aktiv an.

    Beispiel aus der Praxis: In einem Training für Berufsbildner:innen setzte ich “Übungssituationen” ein, in denen die Teilnehmer Beurteilungs- und Entwicklungsgespräche in verschiedenen Szenarien simulierten. Dies half ihnen, theoretisches Wissen in praktische Fertigkeiten umzusetzen und erhielt durchweg positives Feedback.

    Regel 5: Feedback-Kultur

    Eine offene Feedback-Kultur ermöglicht eine kontinuierliche Verbesserung des Trainings- oder Ausbildungsangebotes und eine Anpassung an die Bedürfnisse der Lernenden. Feedback sollte regelmäßig eingeholt und konstruktiv verarbeitet werden. Es hat sich bewährt, Feedbackrunden nicht erst in den letzten 10 Minuten, sondern deutlich früher durchzuführen, mit aussagekräftigen Informationen darüber, wer die Ergebnisse wann sieht und wie der Prozess zur Verbesserung der Trainingsqualität führt.

    Beispiel aus der Praxis: In einem Führungskräftetraining wurde am Ende jeder Einheit eine kurze anonyme Befragung durchgeführt, in der die Teilnehmenden in Dreiergruppen ihre Meinung zu den Inhalten und Methoden äußern konnten. Dazu füllten sie anonym ein einfach strukturiertes A-3 Papier aus. Die Ergebnisse wurden in der nächsten Einheit diskutiert und Anpassungen vorgenommen. Dies führte zu einer hohen Zufriedenheit und einer Anpassung der Trainingsinhalte an die Bedürfnisse der Teilnehmer.

    Plakat aus einem der ersten Trainings zu “Auftrittskompetenz”, Zürich, 2002

    Fazit

    Es gibt viele “Do’s” für spannendes und interaktives Lernen, die du sicher regelmäßig in deinen Veranstaltungen anwendest. Aber es gibt auch einige Stolpersteine, in die selbst erfahrene Trainingsprofis tappen können. Über fünf davon habe ich mir heute Gedanken gemacht und erklärt, warum diese Faktoren dem Weiterbildungserfolg im Wege stehen können. Denn diese fünf Dinge verhindern oft, dass deine Aus- und Weiterbildung ihren vollen Lernerfolg entfalten kann:

    1. Unzureichende Pausengestaltung
    2. Vernachlässigung von Vor- und Nachbereitung
    3. Mangelnde Abwechslung in Methoden und Medien
    4. Geringe oder fehlende Aktivierung der Teilnehmenden in relevanten Lernsituationen
    5. Unbedarfte oder oberflächliche Feedback-Kultur

    Wenn du diese Regeln beachtest, kannst du die Qualität und Effizienz deiner Trainings nachhaltig verbessern und damit den Lernerfolg deiner Teilnehmenden maximieren.

    Ressourcen

    Michael Kühl-Lenjer: Lernen mit Hirn – Neurodidaktische Impulse für eine gehirngerechte Aus- und Weiterbildung, Business Village Verlag 2022

    Podcastgespräch von Yvo Wüest mit Michael Kühl-Lenjer “Lernen mit Hirn” bei Education Minds GmbH.

    Podcast-Solofolge Yvo Wüest – Cognitive Overload und warum weniger oft mehr ist, September 2023

    Jürg Dietrich: Gehirngerechtes Arbeit und beruflicher Erfolg – Eine Anleitung für mehr Effektivität und Effizienz, Springer Gabler Verlag 2014

    Beitrag im Magazin Schule zum Thema “Pausen” vom August 2021 und wie sie helfen, das Gelernte zu konsolidieren

    Auf der Webseite von Creaholic finden sich unter dem Stichwort “Pulse Feedback” 15 Methoden für das Feedbackgeben. .

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