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56: Didaktische Reduktion und KI – Arbeitsprozesse vereinfachen und beschleunigen

Diese Tage führte ich ein Inhouse-Training zum Thema „Didaktische Reduktion in der Bildungsarbeit“ für Führungskräfte des Schweizerischen Baumeisterverbands durch. Um die Teilnehmenden frühzeitig für ein „Out-of-the-box-Thinking“ zu sensibilisieren, wählte ich bereits zu Beginn eine kreative und technologiegestützte Methode. Die Teilnehmenden arbeiteten in Kleingruppen und erhielten den Auftrag, mit ChatGPT einen Liedtext zum Thema „Stoffreduktion und Komplexitätsbearbeitung“ zu erstellen. Anschliessend verwendeten sie die KI-App Suno.com, um ein eigenes Lied zu komponieren. In diesem Beitrag teile ich meine Erfahrungen aus der Weiterbildung und erläutere Strategien zur Integration von KI in die Erwachsenenbildung.

Weiterbildung „Auf den Punkt“ in der Aula Einstein, Fernfachhochschule FFHS, Zürich, 28.10.24

Die Reaktionen der Teilnehmenden

Die Reaktionen waren durchweg positiv: „Ich bin überrascht, wie schnell und einfach ein solcher Auftrag mit KI umgesetzt werden kann!“ äußerten sich viele Teilnehmende. Ein anderer Teilnehmer fasste zusammen: „Es ist faszinierend, wie KI Komplexität bearbeiten und Inhalte auf den Punkt bringen kann.“

Die Übung „MI KI ein Lied zum Lernthema generieren“ vermittelte nicht nur praktisches Wissen über die Funktionsweise und Anwendungsmöglichkeiten von KI in der Erwachsenenbildung, sondern inspirierte die Teilnehmenden auch dazu, über den Tellerrand zu blicken und KI als kreativen Partner zu sehen.

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Fachbuch „Mini-Handbuch Didaktische Reduktion“ (Beltz 2022), Spickzettel und Bleistift, dazu ein Mikrophon für die Übung „Reporter:in 1, 2 und 3“

Strategien zur nachhaltigen Integration von KI in die Erwachsenenbildung

Im weiteren Verlauf der Weiterbildung lernten die Teilnehmenden verschiedene Modelle und Konzepte zur Reduktion von Stofffülle und zur Bearbeitung von Komplexität kennen. Wir diskutierten mehrfach die Bedeutung eines frühzeitigen Einbezugs der Erfahrungen und Perspektiven der Lernenden für die Planung von „didaktisch reduzierten“Lernangeboten. Darüber hinaus erörterten wir die Integration von Künstlicher Intelligenz (KI) in den Bildungsalltag und überlegten, wie diese Technologien nicht nur die Arbeit vereinfachen, sondern auch bereichern und effektiver gestalten können.Hier sind vier praxisnahe Strategien, die sich besonders gut für Fachkräfte in der Erwachsenenbildung eignen:

1. Tiny Habits: Die 2-Minuten-Regel für Bildungsfachleute

Die Idee der „Tiny Habits“ unterstützt die Integration kleiner, kontinuierlicher Veränderungen in den Alltag. Dieses Konzept stammt von B.J. Fogg, einem Verhaltensforscher und Professor an der Stanford University, der das Behavior Design Lab gegründet hat. Fogg entwickelte die „Tiny Habits“-Methode, um Gewohnheiten durch kleine, leicht umsetzbare Verhaltensänderungen aufzubauen. Sein Ansatz basiert auf der Annahme, dass große Veränderungen am effektivsten durch kleine, stetige Schritte erreicht werden können.Im Bildungssektor bedeutet dies, dass Künstliche Intelligenz (KI) für kurze, aber produktive Aufgaben genutzt werden kann, wie beispielsweise zur Priorisierung von To-Do-Listen oder zur Reduzierung und Umformulierung von Texten. Durch die konsequente Anwendung von 2-Minuten-KI-Aufgaben wird der Einsatz dieser Technologie zunehmend zur Routine und fördert die Selbstverständlichkeit des KI-Einsatzes.

2. Optimierung der Arbeitsumgebung für den Bildungsbereich

Um KI-Anwendungen ohne Hindernisse nutzen zu können, sollten Bildungsfachleute eine benutzerfreundliche digitale Infrastruktur schaffen. Dazu gehört die Installation relevanter KI-Apps auf ihren Geräten, das Hinzufügen bevorzugter Tools wie ChatGPT zur Browserleiste sowie das Einrichten von Schnellzugriffen. Diese Optimierungen erleichtern spontane Einsätze, sei es in Seminaren, Vorträgen oder individuellen Coachings, und sparen Zeit.

3. Anker-Momente in der Lehre und Betreuung identifizieren

Um KI erfolgreich zu integrieren, ist es hilfreich, KI-Nutzung mit bestehenden Aufgaben zu verknüpfen. Anker-Momente wie die Nachbereitung einer Lerneinheit oder die schnelle Analyse von Evaluationen eignen sich gut, um den Mehrwert von KI sichtbar zu machen. Indem Lehrende zum Beispiel KI nutzen, um Feedbackberichte zu erstellen oder Vorbereitungszeiten zu verkürzen, setzen sie KI zielgerichtet ein und etablieren neue Arbeitsabläufe.

4. Peer-Learning-Communities für KI

In Peer-Learning-Gruppen können Bildungsfachleute Erfahrungen, Best Practices und Herausforderungen im Umgang mit KI austauschen. Regelmässige Treffen, sei es in Form von Workshops oder Online-Sessions, fördern den Dialog über innovative Anwendungen von KI und ermöglichen es den Teilnehmenden, voneinander zu lernen. Durch den Austausch von Ideen und Ressourcen und eine kollektive Lernumgebung, z. B. auf einer geteilten digitalen Pinnwand, fördert auch eine Kultur des kontinuierlichen Lernens und der Zusammenarbeit. So wird die Integration von KI nicht nur als individuelle Herausforderung betrachtet, sondern als gemeinsames Projekt, das durch gegenseitige Unterstützung vorangetrieben wird.

Implementierung von KI im Bildungssektor: Ein dreistufiger Ansatz

Ein nachhaltiger Einsatz von KI in der Erwachsenenbildung erfordert eine systematische Einführung, die sowohl den Kenntnisstand als auch die Bedürfnisse der Fachkräfte berücksichtigt. Die folgenden Schritte helfen dabei, die Nutzung von KI im Arbeitsalltag fest zu verankern:

  1. Grundlagenwissen aufbauen Ein „KI-Führerschein“ für Bildungsverantwortliche schafft ein gemeinsames Basiswissen und hilft dabei, Unsicherheiten im Umgang mit KI abzubauen. Fortlaufende Schulungen, die aktuelle Entwicklungen und ethische Fragen berücksichtigen, unterstützen ein reflektiertes und selbstbewusstes KI-Verständnis.
  2. Anwendungsfälle zur Inspiration nutzen Impulsvorträge und praxisnahe Best-Practice-Beispiele fördern die Kreativität und helfen, mögliche Einsatzszenarien zu entdecken. Die Rolle von „KI-Champions“ – oder „Lernfluencern“, also erfahrenen Kolleg:innen, die ihre positiven Erfahrungen teilen – motiviert andere dazu, selbst aktiv zu werden.
  3. KI-Gewohnheiten systematisch entwickeln Mit Programmen wie einem „21-Tage-KI-Bootcamp“ lassen sich KI-Gewohnheiten nachhaltig entwickeln. Kleine Aufgaben, Gamification-Elemente und ein digitales KI-Lerntagebuch dokumentieren den Fortschritt und bieten Motivation, sich intensiver mit der Technik auseinanderzusetzen.
Pausenverpflegung bei der FFHS in Zürich

Fazit: Die Bedeutung von KI für die Zukunft der Erwachsenenbildung

Der Einsatz von KI in der Erwachsenenbildung geht weit über eine blosse Effizienzsteigerung hinaus. Es geht um die Möglichkeit, neue und wirkungsvolle Arbeitsprozesse zu etablieren, die sowohl Lehrenden als auch Lernenden zugutekommen. KI-Tools können Aufgaben vereinfachen, kreative Prozesse anstossen und eine dynamische Lernkultur fördern. Der Weg zur erfolgreichen digitalen Transformation liegt in der konsequenten und regelmäßigen Anwendung, durch die sich „KI-First-Gewohnheiten“ bilden – kleine Schritte, die langfristig eine tiefgreifende Veränderung bewirken können.

Für Organisationen, die ihre Fachkräfte im Bereich „KI in der Erwachsenenbildung“ stärken möchten, biete ich massgeschneiderte Inhouse-Trainings an. Wenn Sie daran interessiert sind, wie KI Ihre Bildungsarbeit bereichern kann, nehmen Sie gerne Kontakt auf.

Ressourcen

Link zu einem von Teilnehmenden mit KI generierten Lied „Rückspiegel Flow – Didaktische Reduktion“.

https://suno.com/song/6bc1cde9-4745-4b1a-b5f3-14a90cb72830

Link zur KI – App Suno.com: https://www.suno.com

1 Kommentar zu „56: Didaktische Reduktion und KI – Arbeitsprozesse vereinfachen und beschleunigen“

  1. Danke für diesen interessanten Beitrag. Dieser Blog von „Education Minds“ bietet immer wieder eine fundierte und inspirierende Perspektive auf zentrale Themen der Erwachsenenbildung.

    Besonders der Gedanke der didaktischen Reduktion, der sich durch viele Beiträge zieht, spricht mich an.

    Die Idee, Inhalte gezielt zu vereinfachen, um den Lernprozess zu optimieren, trifft den Kern dessen, was es nach meinem Verständnis bedeutet, nachhaltiges Lernen zu fördern. Ich finde, diese Fokussierung auf das Wesentliche nicht nur hilfreich, sondern auch erfrischend praxisnah. Ein wichtiger Ansatz, der in der komplexen Bildungslandschaft dringend benötigt wird – weiter so!”

    Norbert S.

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