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57: Buchrezension: Luther für Innovatoren – 95 Thesen, Innovation neu zu denken von Jean-Philippe Hagmann

    Jean-Philippe Hagmanns „Luther für Innovatoren“ (Agentur für radikale Innovation, 2024) ist ein Buch, das nicht nur zum Nachdenken anregt, sondern uns auch herausfordert, die Konzepte von Innovation und Veränderung auf radikal neue Weise zu betrachten. Als Experte auf dem Gebiet der radikalen Innovation schafft es Hagmann, historische Parallelen zu ziehen und uns zu zeigen, dass wahre Innovation oft nicht in schrittweisen Optimierungen, sondern in mutigen, disruptiven Umwälzungen liegt. Gerade auch für Bildungsfachleute bietet dieses Buch eine Fülle an Anregungen, um das eigene Verständnis von Veränderung zu hinterfragen und die eigene Arbeit neu zu gestalten.

    Jean-Philippe Hagmann, Luther für Innovatoren, Agentur für radikale Innovation (2024)

    Von Thesen, die den Diskurs anstoßen

    Bereits in der Einleitung macht Hagmann klar: Eine These ist kein Lösungssatz, sondern ein Ausgangspunkt für Diskussion und Kontroversen. Genau wie Martin Luthers 95 Thesen, die eine beispiellose Welle der Veränderung auslösten, sollen die Thesen in diesem Buch nicht als finale Lösungen verstanden werden. Stattdessen fordert Hagmann seine Leser dazu auf, sich auf die unbequemen Fragen einzulassen, die wirkliches Umdenken anregen.

    Für die Bildungswelt ist dies ein wichtiger Ansatz: Anstatt auf einfache Antworten und standardisierte Lösungen zu setzen, müssen wir Thesen formulieren, die Diskussionen auslösen und uns dazu bringen, etablierte Denkmuster infrage zu stellen. Eine These, so Hagmann, soll „Kopf und Herz“ erreichen und „Zündstoff“ liefern, um Altes über Bord zu werfen und Raum für radikal Neues zu schaffen. Diese Haltung erinnert daran, dass Lernprozesse in der Erwachsenenbildung nicht bloß darauf abzielen sollten, bestehendes Wissen zu bestätigen, sondern kritisches Denken und die Fähigkeit zur Erneuerung zu fördern.

    Diskussion als dynamischer Prozess

    Hagmann verdeutlicht, dass Diskussionen keine Einbahnstraßen sind. Er vergleicht Luthers Akt, seine Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg zu schlagen, mit einem Social Media Post – einer Einladung zur öffentlichen Debatte, die viral ging. Auch heute müssen Innovationen nicht nur entwickelt, sondern in die Öffentlichkeit getragen werden, um die gewünschten Effekte zu erzielen. Für Bildungsfachleute bedeutet dies, dass der Austausch und die Reflexion mit den Lernenden entscheidend sind, um eine echte Transformation zu bewirken.

    Hagmanns Schilderung von Luthers Vorgehen verdeutlicht, dass es nicht nur darum geht, Thesen aufzustellen, sondern auch die richtige Plattform zu finden, um die Diskussion in Gang zu setzen. In der heutigen Zeit könnte dies der Einsatz digitaler Tools und Plattformen in der Lehre sein, um Lernprozesse interaktiv und kollaborativ zu gestalten.

    Jean-Philipp Hagmann im Podcastgespräch mit Yvo Wüest bei Education Minds GmbH, November 2024

    Reformation versus Innovation: Ein spannender Vergleich

    Unter der Überschrift „Eine Reformation ist keine Innovation“ stellt Hagmann in der Einleitung die provokante These auf, dass Reformation und Innovation nicht synonym sind, auch wenn beide Begriffe oft gleichgesetzt werden. Er vergleicht Martin Luther mit modernen Innovatoren wie Steve Jobs oder Elon Musk und regt zum Nachdenken darüber an, ob Reformation wirklich Innovation ist – oder eher eine Rückbesinnung auf ursprüngliche Werte.

    Dieser Gedanke ist besonders relevant für Bildungsfachleute, die sich oft zwischen der Bewahrung traditioneller Ansätze und der Implementierung neuer, innovativer Methoden hin- und hergerissen fühlen. Hagmann fordert dazu auf, Innovation nicht nur als etwas radikal Neues zu betrachten, sondern auch als eine Form der Rückbesinnung, die auf tiefen Überzeugungen basiert. Hierbei stellt sich die Frage: Ist eine Reform, die alte Werte in einen neuen Kontext bringt, nicht auch eine Form der Innovation?

    Ein Aufruf zur radikalen Veränderung

    Letztlich ermutigt Hagmann dazu, Innovation nicht als Selbstzweck zu betreiben. Es geht ihm nicht um oberflächliches „Innovationstheater“, das lediglich den Anschein von Fortschritt erweckt, sondern um echte, tiefgreifende Veränderungen. Für Bildungsfachleute bedeutet das, dass sie ihre Rolle als Gestalter und Multiplikatoren von Wissen ernst nehmen und den Mut haben sollten, auch bewährte Konzepte radikal zu hinterfragen und gegebenenfalls zu erneuern.

    Indem Hagmann historische Analogien zu Luther heranzieht, zeigt er, dass echter Wandel immer unbequem und riskant ist, aber langfristig die tiefsten Auswirkungen hat. Genau das sollten wir in der Erwachsenenbildung anstreben: nicht nur kurzfristige Erfolge, sondern nachhaltige Transformationen, die die Lernenden dazu befähigen, selbst zu Innovatoren in ihrer eigenen Lebenswelt zu werden.

    Fazit: Ein inspirierendes Buch für alle, die den Status quo hinterfragen

    „Luther für Innovatoren“ ist ein lesenswertes Buch, das uns lehrt, dass wahre Innovation Mut erfordert und oft aus der Bereitschaft erwächst, sich mit unbequemen Wahrheiten auseinanderzusetzen. Hagmanns Werk ist eine Inspirationsquelle für all jene, die sich nicht mit oberflächlichen Antworten zufriedengeben und in ihrer beruflichen Praxis – sei es in der Bildung, im Management oder in der Organisationsentwicklung – neue Wege beschreiten wollen. Hagmann zeigt eindrucksvoll, dass echte Innovation nicht nur Technologie und Prozesse betrifft, sondern vor allem eine Frage der Haltung ist.

    Ressourcen

    Webseite von Jean-Philippe Hagmann: http://www.jeanphilippehagmann.com

    Podcastepisode Nr. 118 Jean-Philippe Hagmann – Innovation Skills: https://open.spotify.com/show/2ruXCnmxoyy2QrCqb3wQS0?si=a6b9505b4ccc45fe

    Future Talk mit Jean-Philippe Hagmann beim Ministerium für Neugier & Zukunftslust vom 05.11.24: https://youtu.be/TJNMFwGImy8?si=qdgzKEQRXTIp3BsI

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