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63: EU AI Act: Warum KI-Kompetenz für Bildungsorganisationen jetzt Pflicht wird

Ab Februar 2025 tritt eine neue Anforderung des EU AI Acts in Kraft, die alle Organisationen, die KI beruflich nutzen, verpflichtet, den kompetenten Umgang ihrer Mitarbeitenden mit KI sicherzustellen. Dies betrifft sowohl Unternehmen als auch Einrichtungen der Erwachsenenbildung, die KI in Kursen, administrativen Aufgaben oder im Management einsetzen. Diese Regelung markiert einen entscheidenden Wendepunkt, da erstmals der Begriff der „KI-Kompetenz“ gesetzlich verankert wird. Doch welche Folgen hat dies für die Bildungsbranche, und wie sollten sich Unternehmen und Bildungsakteure darauf vorbereiten?

Bild mit Dall-E erstellt am 29.01.25 (Prompt: Erstelle ein Bild bei dem Menschen in der Natur gezeigt werden mit Computern und aus unterschiedlichen Kulturen).

Der AI Act und seine Auswirkungen

Der EU AI Act zielt darauf ab, den menschenzentrierten und vertrauenswürdigen Einsatz von KI in Europa zu fördern. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Aufbau von KI-Kompetenzen – sowohl für Anbieter und Betreiber von KI-Systemen als auch für Personen, die KI beruflich nutzen oder von deren Entscheidungen betroffen sind. Erwachsenenbildungseinrichtungen stehen besonders in der Pflicht, die notwendigen Kompetenzen zu vermitteln.

Die Verordnung unterteilt KI-Systeme in verschiedene Risikostufen. Unabhängig davon sind Anbieter und Betreiber verpflichtet, sicherzustellen, dass ihr Personal über ausreichende KI-Kompetenzen verfügt:

„Die Anbieter und Betreiber von KI-Systemen ergreifen Maßnahmen, um nach besten Kräften sicherzustellen, dass ihr Personal und andere Personen, die in ihrem Auftrag mit dem Betrieb und der Nutzung von KI-Systemen befasst sind, über ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz verfügen.“ (AI Act, Artikel 4)

Warum ist KI-Kompetenz wichtig?

Die Bedeutung von KI-Kompetenz lässt sich aus den Zielen des AI Acts ableiten: Vertrauen in KI schaffen, fundierte Entscheidungen treffen und die Einhaltung der Verordnung sicherstellen. Entwicklerinnen, Betreiberinnen und Nutzer*innen müssen Risiken und Chancen von KI einschätzen und sachkundig mit den Systemen umgehen können.

Für die Erwachsenenbildung bedeutet dies eine Erweiterung der Verantwortung: Lehrende und Bildungsanbieter müssen sicherstellen, dass sie selbst sowie ihre Lernenden über die notwendigen Kompetenzen verfügen.

Die drei Dimensionen der KI-Kompetenz

Laut AI Act umfasst KI-Kompetenz folgende Aspekte:

  1. Grundverständnis von KI: Wissen über die Funktionsweise von KI-Systemen.
  2. Kritische Einordnung von Chancen und Risiken: Fähigkeit zur Risikoabschätzung und Reflexion ethischer sowie gesellschaftlicher Auswirkungen.
  3. Praktische Anwendungskompetenzen: Die Fähigkeit, KI-Systeme im eigenen beruflichen Kontext sachkundig zu nutzen.

Gerade im Bildungsbereich ist es entscheidend, sowohl ein Grundverständnis zu vermitteln als auch kritische Reflexion zu ermöglichen. Beispielsweise könnten Lehrende mit Lernenden gemeinsam untersuchen, welche ethischen Herausforderungen der KI-Einsatz in der Personalrekrutierung mit sich bringt, etwa im Hinblick auf Diskriminierung durch verzerrte Trainingsdaten.

Wie kann KI-Kompetenz aufgebaut werden?

Der AI Act fordert, dass Organisationen bis 2025 „nach besten Kräften“ sicherstellen, dass alle Mitarbeitenden mit KI-Kompetenzen ausgestattet sind. Besonders die Erwachsenenbildung muss gezielte Schulungsprogramme entwickeln, die sowohl technische als auch ethische Aspekte berücksichtigen.

Asynchrone Bildungsformate könnten dabei eine Rolle spielen, um den Lernenden ein flexibles Grundverständnis zu vermitteln, während in synchronen Formaten der Austausch und die praktische Anwendung im Vordergrund stehen.

Eine Chance für Bildung und Gesellschaft

Die gesetzliche Verankerung von KI-Kompetenz bietet eine grosse Chance: Bildungseinrichtungen könnten eine Vorreiterrolle übernehmen, um Menschen auf die KI-getriebene Arbeitswelt vorzubereiten. Dies erfordert qualifizierte Lehrende und passgenaue Bildungsangebote für verschiedene Zielgruppen.

Der Aufbau von KI-Kompetenz ist kein Selbstzweck, sondern ein essenzieller Schritt, um einen sicheren und verantwortungsvollen KI-Einsatz zu gewährleisten. Dazu gehören technische Anwendung, Risikoabschätzung sowie das Verständnis für gesellschaftliche und ethische Konsequenzen.

Die Situation in der Schweiz

In der Schweiz gibt es derzeit keine spezifische gesetzliche Verpflichtung für Organisationen, ihren Mitarbeitenden KI-Kompetenzen zu vermitteln. Allerdings hat der Bundesrat am 22. November 2023 das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) beauftragt, bis Ende 2024 eine umfassende Analyse möglicher Regulierungsansätze für Künstliche Intelligenz (KI) zu erstellen. Diese Analyse berücksichtigt auch die regulatorischen Ansätze des EU AI Acts und des Europarats. 

Obwohl der EU AI Act nicht direkt in der Schweiz gilt, hat er Auswirkungen auf Schweizer Unternehmen, die KI-Systeme in der EU anbieten oder betreiben. Solche Unternehmen müssen die Bestimmungen des AI Acts einhalten, einschließlich der Verpflichtung, sicherzustellen, dass ihr Personal über ausreichende KI-Kompetenzen verfügt. 

In der Schweizer Bildungslandschaft gibt es Initiativen zur Förderung von KI-Kompetenzen. Das Kompetenznetzwerk für Künstliche Intelligenz (CNAI) zielt darauf ab, den Einsatz von und das Vertrauen in KI innerhalb der Bundesverwaltung und darüber hinaus zu fördern. Zudem bietet die ICT-Berufsbildung Schweiz Beratungsdienstleistungen für Partner und Beteiligte des Berufsbildungssystems an, um digitale Kompetenzen, einschließlich KI, zu stärken. 

Fazit

Mit der neuen Weiterbildungspflicht im Rahmen des AI Acts wird KI-Kompetenz zu einer Kernanforderung für Unternehmen und Bildungsanbieter. Die Erwachsenenbildung hat die Chance, durch gezielte Programme und praxisnahe Formate einen wichtigen Beitrag zur Qualifizierung in diesem Bereich zu leisten. Nur durch fundierte Bildung und Reflexion kann sichergestellt werden, dass KI zum Nutzen aller eingesetzt wird. In der Schweiz gibt es derzeit keine gesetzliche Verpflichtung zur Vermittlung von KI-Kompetenzen. Sowohl staatliche Stellen als auch Bildungsinstitutionen anerkennen allerdings die Bedeutung von KI und arbeiten an der Förderung entsprechender Kompetenzen.

Weiterführende Links

3 Kommentare zu „63: EU AI Act: Warum KI-Kompetenz für Bildungsorganisationen jetzt Pflicht wird“

  1. Danke für diesen relevanten und gut durchdachten Beitrag!
    Ich denke auch, dass die gesetzliche Verankerung von KI-Kompetenz einen wichtigen Wendepunkt für Bildungsorganisationen markiert und verdeutlicht, dass der kompetente Umgang mit KI nicht mehr nur eine Option, sondern eine Notwendigkeit ist.

    Interessant finde ich diene Einordnung der drei Dimensionen der KI-Kompetenz – ein Ansatz, der bei dir nicht nur technisches Wissen, sondern auch kritische Reflexion und praxisnahe Anwendung umfasst.

    Gerade die Erwachsenenbildung und Berufsbildung teht hier vor der Chance, als Brücke zwischen technologischer Entwicklung und gesellschaftlicher Verantwortung zu fungieren. Vielen Dank für diese fundierte Analyse!

    Ludwig S.

    1. Danke, Ludwig!
      Dein Kommentar bringt es auf den Punkt – die Erwachsenen- und Berufsbildung haben hier eine entscheidende Rolle, um KI-Kompetenz nicht nur zu vermitteln, sondern auch verantwortungsvoll in den Bildungsalltag zu integrieren.
      Besonders die Verbindung von technischem Verständnis, kritischer Reflexion und praxisnaher Anwendung ist essenziell, um KI sinnvoll einzusetzen.

      Alles Gute dir
      Yvo

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