Zum Inhalt springen

66: Wissen teilen, Zukunft gestalten – Wie Universitäten und Gesellschaft gemeinsam Lösungen entwickeln

    Universitäten sind mehr als reine Forschungs- und Bildungseinrichtungen – sie sind Schlüsselakteure im gesellschaftlichen Wandel. Doch wie gelingt es, Wissen so zu vermitteln, dass es nicht nur akademischen Kreisen zugänglich bleibt, sondern aktiv zur Lösung globaler Herausforderungen beiträgt?

    Diese Frage stand im Mittelpunkt des Dialogs zwischen Leonard Glab und Yvo Wüest im Rahmen eines Gespräches in der Reihe Thinking Without Banisters des G-LAB-2B Think Tanks an der Universitat Pompeu Fabra in Barcelona im Februar 2025. Leonard ist Dozent an dieser Uni und forscht zum Thema Kommunikation in Krisen und Konflikten.

    In diesem Beitrag reflektiere ich Überlegungen zur Frage, wie Universitäten künftig zusammen mit Unternehmen und der Gesellschaft Wissen teilen und gemeinsam Lösungen entwickeln können.

    Besuch in der Bibliothek Universität Pabra Pompeu Barcelona, Yvo Wüest und Leonard Glab (07.02.25)

    Universitäten als Treiber des gesellschaftlichen Wandels

    Universitäten sind nicht nur Orte der Wissensproduktion, sondern auch Katalysatoren für Innovation und soziale Transformation. Sie verfügen über Ressourcen und Expertise, um sich mit komplexen Themen wie Klimawandel, Digitalisierung oder sozialer Ungleichheit auseinanderzusetzen. Doch damit Forschung eine nachhaltige Wirkung entfalten kann, muss sie nicht nur qualitativ hochwertig sein, sondern auch in gesellschaftliche Prozesse eingebunden werden.

    Interdisziplinäre Kooperationen und praxisnahe Forschungsformate wie Living Labs oder Citizen Science sind wertvolle Instrumente, um Theorie und Praxis miteinander zu verbinden. Universitäten haben zudem die Aufgabe, Studierende nicht nur fachlich auszubilden, sondern sie auch für globale Verantwortung und nachhaltiges Handeln zu sensibilisieren.

    Einblick in den Hörsaal des INCLU-LINGUAM-Projekts im Jaume I Building (Ciutadella Campus)

    Forschung für die Gesellschaft zugänglich machen

    Ein zentrales Problem besteht darin, dass wissenschaftliche Erkenntnisse oft zu komplex oder zu abstrakt sind, um von Praktikern oder der öffentlichen Hand unmittelbar genutzt zu werden. Hier setzt das Konzept der Didaktischen Reduktion an, das ich als Trainer, Fachbuchautor und Podcast-Host seit Jahren erforsche und vermittle.

    Die Kernfragen für Universitäten und Fachhochschulen lauten:

    • Wie kann Forschung so aufbereitet werden, dass sie ohne Informationsverlust verständlich bleibt?
    • Welche sprachlichen und visuellen Hilfsmittel erleichtern den Zugang?
    • Wie können Forschungsergebnisse für unterschiedliche Zielgruppen aufbereitet werden – von politischen Entscheidern bis hin zu Praktikern im Bildungs- und Sozialbereich?

    Ein Beispiel für gelungene didaktische Reduktion ist die sexuelle Aufklärung für junge Geflüchtete. Viele Jugendliche, die auf ihrer Flucht jahrelang keinen Zugang zu formaler Bildung hatten, kommen in Europa in eine Gesellschaft mit umfassenden Bildungsangeboten, aber auch mit kulturellen und sozialen Unterschieden. Projekte in der Schweiz und Deutschland zeigen, dass einfach formulierte, visuell unterstützte und in der jeweiligen Muttersprache angebotene Aufklärung ein Schlüssel sein kann, um diese jungen Menschen in gesellschaftlich relevante Themen einzubinden.

    Ein Beispiel dafür ist das Projekt „Zanzu – Mein Körper in Wort und Bild“. Dabei handelt es sich um ein Projekt der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), das sexuelle Aufklärung in mehreren Sprachen bietet. Es richtet sich explizit an Migrant:innen und Geflüchtete und nutzt einfache Sprache sowie Illustrationen um die Wissensvermittlung und Aufklärung zu unterstützen

    Die Rolle der KI in der Wissensvermittlung

    Künstliche Intelligenz bietet enorme Möglichkeiten, Bildungsinhalte individuell anzupassen und komplexe Datenmengen zu analysieren. In der Hochschulbildung kann KI genutzt werden, um

    • personalisierte Lernangebote zu entwickeln,
    • wissenschaftliche Daten schneller und effizienter zu verarbeiten,
    • Trends in Forschung und Gesellschaft zu erkennen.

    Dennoch ist der Einsatz von KI nicht ohne Herausforderungen: Fragen zur ethischen Verantwortung, Transparenz und der Rolle menschlicher Entscheidungsträger müssen aktiv mitgedacht werden. Universitäten tragen hier eine doppelte Verantwortung: Sie müssen einerseits neue Technologien nutzen und andererseits einen reflektierten Umgang mit deren gesellschaftlichen Auswirkungen sicherstellen.

    Aufzeichnung des Gesprächs zwischen Leonard Glab und Yvo Wüest, Universität Fabra Pompeu, 07.02.25

    Technologie, Innovation und Bildung: Die richtige Balance finden

    Technologische Innovationen sollten nicht Selbstzweck sein, sondern zur Verbesserung der Bildungsqualität beitragen. Entscheidend ist die Frage, wie neue Technologien die Lernprozesse unterstützen und nicht, wie sie Lehrpersonen oder traditionelle Methoden ersetzen können. Hier braucht es eine differenzierte Betrachtung:

    • Welche Technologien tragen wirklich zur Wissensvermittlung bei?
    • Welche Kompetenzen brauchen Lehrende und Lernende, um sie sinnvoll zu nutzen?
    • Wo sind die Grenzen der Automatisierung?

    Der Mensch muss im Zentrum der Bildungsarbeit bleiben. Technologie kann unterstützen, aber sie sollte didaktisch sinnvoll integriert werden.

    Fazit: Wissen teilen, um die Zukunft gemeinsam zu gestalten

    Der Dialog zwischen Leonard Glab und Yvo Wüest verdeutlichte: Universitäten und Gesellschaft stehen vor einer gemeinsamen Aufgabe. Wissen muss nicht nur generiert, sondern auch verständlich vermittelt und praktisch nutzbar gemacht werden. Didaktische Reduktion kann dazu beitragen, dass komplexe Inhalte auch für unterschiedliche Zielgruppen zugänglich bleiben.

    Zudem braucht es eine neue Haltung zur Kooperation: Wissenschaft darf keine abgeschottete Disziplin sein, sondern muss offene Dialogformate und partizipative Prozesse fördern. Plattformen wie Thinking Without Banisters spielen dabei eine entscheidende Rolle.

    Der Austausch geht weiter: Bald wird im Education Minds Podcast ein weiteres Gespräch, diesmal auf Deutsch, zwischen Yvo Wüest und Leonard Glab aufgezeichnet. Ein Dialog über Ideen, Kooperationen und die gemeinsame Gestaltung der Zukunft.

    Ressourcen:

    Link zur Podcastreihe „Thiniking without Banister“ des G-LAB-2B mit dem am 07.02.25 aufgezeichneten Gespräches zwischen Leonard Glab und Yvo Wüest: https://youtu.be/ro9CZsIcqmE?

    Webseite zur Initiative „Thinkting without Kanister des G-LAB-2B: https://glab2b.com/en/dialogues-podcasts

    Link zur Podcastreihe „Education Minds – Didaktische Reduktion und Erwachsenenbildung“: https://education-minds.com/Podcast/

    Lust und Frust: Ist ein Projekt aus der Schweiz, das sich an Jugendliche und junge Erwachsene richtet, insbesondere aus migrantischen Communities. Es bietet Materialien zur Sexualaufklärung in verschiedenen Sprachen: https://www.lustundfrust.ch

    LinkedIn-Profil von Leonard Glab: https://www.linkedin.com/in/leogf/

    LinkedIn-Profil von Yvo Wüest: https://www.linkedin.com/in/yvowüest-didaktischereduktion/

    Kommentar

    Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert